HHM & LHG: Es liegt noch viel Ladung auf der Straße Delegationsreise stärkt Hafenkooperation zwischen Klaipėda, Lübeck und Hamburg

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Allgemein, Logistik, Politik, Unternehmen, Verbände
Hochkarätig besetztes German‑Lithuanian Maritime Forum in Klaipėda: Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Hafenwirtschaft und Logistik diskutierten die Rolle der Ostseehäfen an geopolitischen Schnittstellen sowie zentrale Fragen zu Handel, Sicherheit und Resilienz.
Foto: Algirdas Kubaitis

Eine gemeinsame Delegationsreise des HHM Hafen Hamburg Marketing e. V. und der LHG Lübecker Hafen-Gesellschaft mbH hat die Hafenkooperation zwischen Klaipėda, Hamburg und Lübeck weiter vertieft. Vom 18. März bis 20. März 2026 standen politische Gespräche, Unternehmensbesuche und das German-Lithuanian Maritime Forum im Mittelpunkt.

Rund 25 Vertreter aus Lübeck und Hamburg reisten dazu nach Litauen. An dem Forum nahmen mehr als 100 internationale Gäste aus Politik, Hafenwirtschaft und Logistik teil. Im Fokus standen der Ausbau der maritimen Verbindungen und Transportkorridore zwischen Hamburg, Lübeck und Klaipėda, resilientere Lieferketten im Ostseeraum sowie zusätzliche Potenziale für intermodale Verkehre zwischen Litauen, dem Baltikum sowie Zentral- und Südeuropa. Angeführt wurde die Delegation von Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau und Niels Wiecker, Director of Port and Logistics in der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Arbeit und Innovation.

Zentraler Programmpunkt der Delegationsreise war das German-Lithuanian Maritime Forum, moderiert von Marina Basso Michael, Regional Director Europe beim HHM. Das Leitthema: „Ports at the Geostrategic Crossroads: Navigating Trade, Security, and Resilience“.

Sebastian Jürgens, Geschäftsführer der LHG, machte auf dem Forum deutlich: „Es liegt im wahrsten Sinne des Wortes noch viel Ladung auf der Straße. Deutschland ist für Litauen bei den Importen die Nummer eins und bei den Exporten die Nummer zwei hinter Polen. Wenn wir mehr dieser Verkehre auf Fähre und Schiene verlagern, machen wir die Lieferketten nicht nur widerstandsfähiger, sondern können auch rund 70 % CO2 einsparen.“

S. Jürgens verwies außerdem auf die wachsende Dynamik der Baltikum-Verkehre. Allein zwischen Lübeck und Klaipėda bestehen derzeit sechs Fährabfahrten pro Woche. Mit rund 60 wöchentlichen intermodalen Verbindungen ist Lübeck ein zentraler Korridor zwischen Litauen, dem Baltikum sowie Zentral- und Südeuropa.

„Die Reise hat bestehende Kontakte deutlich intensiviert und der Städtepartnerschaft mit Klaipėda neue Dynamik gegeben“, betonte J. Lindenau. „Besonders wichtig war, dass wir bereits einen Gegenbesuch Anfang April in Lübeck vereinbaren konnten. Jetzt geht es darum, aus dem Austausch konkrete Projekte zu entwickeln.“ Beeindruckt habe ihn außerdem, mit welcher Konsequenz in Klaipėda in Infrastruktur, nachhaltige Antriebe und Sicherheitsfragen investiert werde. Gerade bei Themen der Hafensicherheit wolle man die Zusammenarbeit weiter vertiefen.

„Belastbare Partnerschaften im Ostseeraum gewinnen wirtschaftlich und geopolitisch weiter an Bedeutung“, unterstrich N. Wiecker. „Hamburg bringt seine internationale Marktanbindung ein, Lübeck seine Stärke als direkte Ostsee-Drehscheibe und beide ihre Funktion als Hinterland-Hub. Genau darin liegt der strategische Mehrwert dieser Zusammenarbeit.“

Hendrik Meyn, Vorstand des HHM, hob hervor: „Bereits seit den 1990er Jahren unterhalten wir enge Kontakte zu Klaipėda und dem dortigen Hafen, welcher auch seit drei Jahren Mitglied bei Hafen Hamburg Marketing ist. Das Forum hat gezeigt, wie wir diese Beziehungen strategisch weiterentwickeln wollen. Hiervon soll auch der Handel weiter profitieren. Mit insgesamt 142.000 umgeschlagenen TEU konnte der Warenaustausch im direkten Containerverkehr zwischen Litauen und Hamburg 2025 nicht nur um 15,4 % gesteigert werden, das Land ist damit auch der stärkste Handelspartner Hamburgs im Baltikum.“

Im Hafen Klaipėda wurden 2025 rund 39 Mio. t Güter umgeschlagen. Damit entfielen rund 40 % des gesamten Ladungsaufkommens der drei baltischen Staaten auf Klaipėda. Klaipėda baut seine Rolle als strategischer Knotenpunkt im Baltikum weiter aus. „Wir investieren konsequent in Kapazitäten, Resilienz und Zukunftsprojekte und laden deutsche Partner ausdrücklich ein, diesen Weg mit uns zu gehen“, sagte Algis Latakas, Generaldirektor der Klaipėda State Seaport Authority.

Neben wirtschaftlichen und logistischen Themen rückte in Klaipėda auch die Resilienz kritischer Infrastruktur stärker in den Fokus. Nach Angaben von A. Latakas wurden im Hafen 2025 rund 56.100 t militärische Güter umgeschlagen, gegenüber dem Vorjahr entsprach dies einer Verdoppelung. „Die Entwicklung unterstreicht die wachsende strategische Bedeutung Klaipėdas im Ostseeraum und zeigt zugleich, dass direkte RoRo- und Fährverbindungen wie die Anbindung nach Lübeck und auch die direkten Containerverkehre nach Hamburg im Krisenfall zusätzliche Relevanz gewinnen können“, betonnt A. Latakas weiter.

Die Delegationsreise hat ein klares Signal für eine engere Hafenkooperation zwischen Klaipėda, Lübeck und Hamburg gesetzt. Sie hat politische Kontakte verdichtet, den wirtschaftlichen Austausch entlang der Ostseeachse gestärkt und deutlich gemacht, dass zusätzliche Güterverkehre zwischen Litauen und Zentraleuropa auf bestehende maritime und intermodale Strukturen verlagert werden können, und zwar „wirtschaftlich sinnvoll, logistisch robuster und mit deutlichen Vorteilen für die CO2-Bilanz“, betonen S. Jürgens und H. Meyn abschließend unisono.

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