Der nach eigenen Angaben E-Fuel-Pionier INERATEC GmbH, Karlsruhe, hat Anfang März 2025 offiziell eine Venture-Debt-Finanzierung über 40 Mio. Euro mit der EIB Europäische Investitionsbank, Luxembourg, und einen Zuschuss von 30 Mio. Euro mit dem Programm Breakthrough Energy Catalyst unterzeichnet. Mit dem Finanzierungspaket von bis zu 70 Mio. Euro will das Unternehmen in Frankfurt Europas größte Produktionsanlage für nachhaltige E-Fuels bauen und seine Forschung und Entwicklung im Bereich E-Fuels vorantreiben. Beides sind nach Unternehmensangaben wichtige Schritte zur Dekarbonisierung der Luftfahrt.
Die Finanzierung wurde auf dem Forum 2025 der EIB-Gruppe bekannt gegeben, das Anfang März in Luxemburg stattfand. Das Projekt zeigt die strategische Bedeutung von E-Fuels für schwer zu dekarbonisierende Wirtschaftszweige wie die Luftfahrt. Mit den Mitteln kann die INERATEC ihre Produktionskapazität erweitern und ihre innovative Reaktortechnologie, die „grünen“ Wasserstoff und CO2 in synthetisches Kerosin umwandelt, an den Markt bringen. Die Anfang des Jahres zugesagte Projektfinanzierung ist ein wichtiger Schritt hin zur Kommerzialisierung der Power-to-Liquid-Technologie der INERATEC. Sie wird den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft beschleunigen.
Transformation der Energielandschaft mit E-Fuels
Die INERATEC verwendet für ihr Produktionsverfahren Wasserstoff und biogenes CO2, zum Beispiel aus Biogasanlagen oder Industrie-Emissionen. Mit der Power-to-Liquid-Technologie stellt das Unternehmen synthetisches Rohöl her, das zu Kraftstoffen veredelt werden kann – darunter nachhaltiger Flugkraftstoff (SAF – sustainable aviation fuel), Schiffskraftstoff oder auch E-Diesel. Für die E-Fuels wird CO2 verwendet, das ansonsten in die Atmosphäre freigesetzt würde. Das macht den Kraftstoff klimafreundlicher und hilft, CO2-Emissionen zu senken.
Die wichtigsten Ausgangsstoffe für die neue Anlage in Frankfurt-Höchst kommen direkt aus dem Industriepark: Das CO2 stammt aus einer Biogasanlage, die Abfälle recycelt, und der Wasserstoff ist ein Nebenprodukt aus einer Chloranlage. Mit seinen modularen Produktionseinheiten ist das Konzept der INERATEC effizient skalierbar und lässt sich für verschiedene Standorte anpassen.
Außer für nachhaltige Kraftstoffe kann das synthetische Öl auch als Grundchemikalie für nachhaltigen Kunststoff verwendet werden. Damit dient die Technologie auch einer nachhaltigen Versorgung der chemischen Industrie.
Skalierung für die wachsende Nachfrage im Markt
Nach dem Bau und Betrieb von Demonstrations- und industriellen Pilotanlagen will die INERATEC jetzt die Produktion skalieren und den kommerziellen Einsatz optimieren. Mit dem Finanzierungspaket der EIB und des Breakthrough Energy Catalyst kann das Unternehmen eine Produktion im kommerziellen Maßstab aufbauen und für ein verlässliches Angebot von E-Fuels sorgen. Es soll die steigende Nachfrage im Markt decken und synthetische Kraftstoffe wirtschaftlich tragfähig machen.
Die Anlage wird jährlich bis zu 2.500 t E-Fuels liefern, hauptsächlich für die Luftfahrt. Auf der Langstrecke von Frankfurt nach New York verbraucht ein Flugzeug 80 t Kerosin. Der synthetische Kraftstoff der INERATEC könnte das fossile Kerosin teilweise oder vollständig ersetzen und Flüge so nachhaltiger machen. Für einen höheren Anteil an E-Fuels müssen die Produktionskapazitäten allerdings über die Pionieranlage hinaus erheblich zunehmen.
Die Politik fordert einen Umstieg auf nachhaltigere Energieformen und eröffnet damit Marktchancen. So schreibt die ReFuelEU Aviation-Verordnung vor, dass Fluglinien spätestens 2030 ihrem Treibstoff mindestens 1,2 % synthetisches Kerosin beimischen müssen.
Brücke zwischen Innovation und Klimazielen
Die Zusammenarbeit der INERATEC mit der EU-Catalyst-Partnerschaft zeigt, wie Partnerschaften zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor die Kommerzialisierung innovativer und klimafreundlicher Technologien vorantreiben können. Aufbauend auf früheren EU-Zuschüssen nutzt die Partnerschaft neue Investitionsmechanismen und liefert eine Blaupause für die Skalierung von Technologien für „saubere“ Energie.
Dementsprechend unterstreicht dieses Projekt das Engagement der EU, innovative Technologien zu unterstützen, die der europäischen Industrie helfen, „sauberer“ zu werden und wettbewerbsfähig zu bleiben. Die EIB fördert die Investitionen der INERATEC unter dem InvestEU-Programm, mit einer Garantie-Aufstockung aus dem Innovationsfonds, der vom Emissionshandelssystem der EU finanziert wird.
Für die Transformation der Industrie hin zu „sauberen“ Technologien braucht Europa Innovationen, wie zum Beispiel die effiziente Produktion von Wasserstoff. Die EIB fördert dazu zum Beispiel auch das Dresdener Start-up Sunfire SE, einen Produzenten von effizienten Elektrolyse-Anlagen. Die Sunfire und die INERATEC waren 2019 Partner in einem Forschungsprojekt, das erstmals zeigte, wie in einer vollständig integrierten Anlage mit CO2 aus der Luft und Solarstrom E-Fuels produziert werden können.
EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer erklärt, dass die EIB sich für eine wettbewerbsfähige Netto-Null-Wirtschaft einsetzt, insbesondere in schwer zu dekarbonisierenden Sektoren wie der Luftfahrt. Durch Partnerschaften wie der Initiative EU-Breakthrough Catalyst ermöglicht die EIB einen umweltfreundlichen Übergang im Verkehr und trägt dazu bei, die Preise für E-Kraftstoffe wirtschaftlicher zu gestalten.
Die INERATEC ist nach Aussage von Mario Fernandez, Leiter von Breakthrough Energy Catalyst, auf einem guten Weg zu zeigen, dass sich E-Fuels mit finanzieller Anschubhilfe im großen Maßstab wirtschaftlich produzieren lassen. Für die Dekarbonisierung der Luftfahrt werden reale Projekte benötigt – damit die Kosten nach unten gebracht und Investoren gewonnen werden können. Die Breakthrough Energy Catalyst zeigt sich laut M. Fernandez erfreut, als Partner der INERATEC den Einsatz von E-Fuels in der Praxis zu beschleunigen, um ihr Potenzial zu erschließen.
Die neue Produktionsanlage wird der EU helfen, ihre Ziele für 2030 auf dem Weg zur Klimaneutralität zu erreichen. Dazu zählt auch, dass die Sektoren Industrie und Verkehr die Vorgaben der Erneuerbare-Energien-Richtlinie und der ReFuelEU Aviation-Verordnung zu e-Fuel-Anteilen erfüllen.
Tim Boeltken, Chief Executive Officer der INERATEC betont, dass die Finanzierung ein neues Zeitalter für die INERATEC markiert. Mit der Zusage der EIB und von Breakthrough Energy Catalyst nimmt die Produktion von e-Fuels im industriellen Maßstab Fahrt auf. Das wird die CO2-Emissionen in Sektoren, wo eine direkte Elektrifizierung nicht möglich ist, spürbar senken, so T. Boeltken weiter. Der Fokus liegt jetzt darauf, die Technologie zu skalieren und dort einzusetzen, wo sie am dringendsten benötigt wird.
Die EU-Catalyst-Partnerschaft wurde 2021 auf der COP26 in Glasgow von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EIB-Präsident Werner Hoyer und Bill Gates begründet. Ihr Ziel ist, in Europa skalierbare Greentech-Projekte zu entwickeln und Investitionen in wichtige Klimatechnologien zu fördern. Die Partnerschaft schafft eine Blaupause für die öffentlich-private Förderung innovativer Cleantech-Technologien.
Die Europäische Investitionsbank ist Durchführungspartner der Kommission für das InvestEU-Programm, das bis zu 420 Mio. Euro für die Partnerschaft einsetzen soll. Die Mittel stammen aus dem Horizont-Europa-Programm (200 Mio. Euro) und dem Innovationsfonds (Zusagen von 220 Mio. Euro). Breakthrough Energy Catalyst mobilisiert entsprechendes privates Kapital und Zuschüsse philanthropisch orientierter Anleger für die ausgewählten Projekte. Potenzielle weitere Beiträge von EU-Mitgliedstaaten oder anderer privater Partner, die die Projekte ebenfalls unterstützen wollen, sind nicht ausgeschlossen. Eine Förderung kann über die Website von Breakthrough Energy Catalyst beantragt werden.
Die EIB ist die Einrichtung der Europäischen Union für langfristige Finanzierungen. Ihre Anteilseigner sind die Mitgliedstaaten. Sie vergibt Mittel für Investitionen, die zu den Kernzielen der EU beitragen. EIB-Projekte stärken die Wettbewerbsfähigkeit, eine nachhaltige Entwicklung und den sozialen und territorialen Zusammenhalt. Sie fördern Innovationen und beschleunigen den Übergang zur Klimaneutralität. Die EIB-Gruppe, zu der auch der Europäische Investitionsfonds (EIF) gehört, unterzeichnete 2023 neue Finanzierungen von insgesamt 88 Mrd. Euro für über 900 Projekte.
Alle Projekte, die die EIB-Gruppe finanziert, entsprechen dem Pariser Klimaabkommen. Die EIB-Gruppe fördert keine Investitionen in fossile Brennstoffe. In dem Klimabank-Fahrplan wurde zugesagt, in den zehn Jahren bis 2030 rund 1 Bio. Euro für das Klima und ökologische Nachhaltigkeit zu mobilisieren. Über die Hälfte der jährlichen Finanzierungen sind für Projekte bestimmt, die direkt zur Eindämmung des Klimawandels, zur Anpassung an seine Folgen und zu einer gesünderen Umwelt beitragen.
Die Organisation Breakthrough Energy, Kirkland, setzt sich nach eigenen Angaben für eine Welt mit „sauberer“ Energie ein. Die Organisation finanziert bahnbrechende Technologien, macht sich für klimasmarte Strategien stark, mobilisiert weltweit Partner und beschleunigt damit Fortschritte in jeder Phase.
Breakthrough Energy Catalyst ist eine neuartige Plattform, die in kommerzielle „First-of-a-Kind“-Projekte für neue Klimatechnologien investiert. So beschleunigt sie die weltweite Einführung dieser Technologien und macht sie kostengünstiger.
Im Fokus stehen derzeit fünf Technologiefelder: „grüner“ Wasserstoff, nachhaltige Flugkraftstoffe, direkte Abscheidung aus der Luft, Langzeit-Energiespeicherung und die Dekarbonisierung der Produktion. Neben Kapital bringt die Catalyst Erfahrung mit Investitionen in Energie-Infrastruktur und in der Projektentwicklung ein. Das Team arbeitet mit Innovatoren zusammen und hilft ihnen, ihre Projekte von der Entwicklungsphase über die Finanzierung bis zum Bau voranzutreiben.
Das InvestEU-Programm mobilisiert umfangreiche private und öffentliche Mittel für die langfristige Finanzierung privater Investitionen in Prioritäten der EU, zum Beispiel den europäischen Grünen Deal. Das Programm hat drei Bausteine: den InvestEU-Fonds, die InvestEU-Beratungsplattform und das InvestEU-Portal. Der InvestEU-Fonds wird von Finanzierungspartnern umgesetzt, die für Kredite auf die EU-Haushaltsgarantie von 26,2 Mrd. Euro zurückgreifen können. Zu diesem Betrag kommen weitere Garantien aus dem Programm Horizont Europa und dem Innovationsfonds hinzu, mit denen die EU Initiativen wie die Partnerschaft mit der Catalyst unterstützt.
Die Haushaltsgarantie erhöht die Risikotragfähigkeit der Partner und soll so mindestens 372 Mrd. Euro an zusätzlichen Investitionen mobilisieren.
Venture Debt ist ein eigenkapitalnahes Produkt, mit dem die EIB Unternehmen in der Früh- und Wachstumsphase fördert. Es verbindet ein langfristiges Darlehen mit einer erfolgsabhängigen Komponente. Seit 2015 hat die EIB 6 Mrd. Euro an Venture Debt vergeben, über 200 Unternehmen unterstützt und mehr als 50 Exits durchgeführt. Mit der Absicherung über InvestEU unterstützt die Bank europäische Start-ups und Scale-ups in den Bereichen Cleantech, Deeptech und Life Sciences.
Der Innovationsfonds soll mit geschätzten Einnahmen von 40 Mrd. Euro aus dem Emissionshandelssystem der EU im Zeitraum 2020 bis 2030 Netto-Null-Technologien fördern und Europa auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützen. Dazu stockt der Fonds die InvestEU-Garantie für die EU-Catalyst-Partnerschaft mit 220 Mio. Euro auf. Die EIB konnte damit bislang Finanzierungen von über 100 Mio. Euro vergeben.