Der ZVEI e. V. Verband der Elektro- und Digitalindustrie, Frankfurt, bekommt eine neue Verbandsspitze: Daniel Hager (54) ist vergangene Woche vom Vorstand für drei Jahre zum ZVEI-Präsidenten gewählt worden. „Die Digital- und Elektroindustrie ist eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen unseres Landes“, betonte D. Hager unmittelbar nach seiner Wahl. In seiner Eröffnungsrede zum eSummit, das Gipfeltreffen der Elektro- und Digitalindustrie am 20. und 21. Mai 2026 in Berlin, erklärte er, die hohe Bedeutung dieser Branche für technologischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wohlstand in Deutschland im politischen Dialog noch stärker verankern zu wollen. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte er auf der wichtigsten Veranstaltung der Branche auf, den politischen Stillstand zu überwinden und überfällige Reformen bei Rente, Arbeitszeit und Sozialkosten einzuleiten. Aus Sicht von D. Hager muss wieder stärker darauf geschaut werden, was den Standort Deutschland wirklich trägt: Leistung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
Umso mehr, weil Deutschland und Europa für den ZVEI-Präsidenten vor großen Transformationsherausforderungen stehen. Das gelte beispielsweise für die Entwicklung und die Nutzung künstlicher Intelligenz. Während die USA und China Tempo machten, diskutiere man hier Regeln, die Innovation ausbremsen. „Eine Stärke der deutschen Elektro- und Digitalindustrie liegt in der Entwicklung von KI für industrielle Anwendungen – für Roboter, Prozessindustrie, Stromnetze oder Gebäude und vieles mehr. Um sie auszuspielen, brauchen wir mehr Gestaltungsfreiräume”, ist D. Hager überzeugt. Jede Regulierung müsse sich an einer einfachen Frage messen lassen: Hilft sie der Industrie und Wirtschaft – oder steht sie Innovation im Wege? Der jüngst im Trilog gefundene Kompromiss zum KI-Omnibus sei eine erhebliche Verbesserung, erfasst aber noch nicht alle relevanten Anwendungen: „Auch bei Medizinprodukten gehört Doppelregulierung abgeschafft.”
Außerdem sei die Resilienz Europas zielgerichtet zu stärken. „In geopolitisch schwierigen Zeiten ist Europa unsere ‚Lebensversicherung‘. Nur ein starkes Europa hält uns im Spiel, das kaum noch anerkannten Regeln folgt. Wir müssen den Binnenmarkt ausbauen und die EU zu einem Industriebeschleuniger machen, der auf Innovation und unternehmerische Initiative fokussiert und ein faires Wettbewerbsumfeld schafft“, hebt D. Hager hervor. Eine besondere Rolle falle dabei technologischer Exzellenz zu, über die Europa verfügen müsse etwa in der Mikroelektronik. Sie sei eine Schlüsselbranche, die gefördert werden müsse. Einer neuen ZVEI-Studie zufolge verdoppelt sich der Halbleiterbedarf in Europa bis 2040. „Auf die steigenden Bedarfe muss Europa schnell reagieren und sein Mikroelektronik-Ökosystem stärken”, fordert D. Hager. „Bei Schlüsseltechnologien darf Europa nicht in einseitige Abhängigkeiten rutschen.”
Abhängigkeiten seien auch auf der Energieseite abzubauen. „Die Zukunft ist elektrisch – egal ob im Auto oder im Gebäude“, zeigt sich D. Hager überzeugt. Die Bürger sehen das ähnlich. ZVEI-Umfragen belegen, dass die Attraktivität von elektrischer Mobilität und elektrischer Wärme eng mit dem Strompreis korreliert. Aus Sicht des ZVEI führt kein Weg daran vorbei, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken wie im Koalitionsvertrag angekündigt und von der EU-Kommission aufgefordert.
Großes Engagement im ZVEI über viele Jahre
Daniel Hager ist seit 15 Jahren im ZVEI aktiv. Er war unter anderem Vorsitzender des Fachverbands Elektroinstallationssysteme und Vorsitzender der Plattform Gebäude. D. Hager ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hager Group.
Als Vizepräsidenten neu gewählt worden sind: Dr. Peter Körte (Siemens), Dr. Frank Meyer (Bosch), Dr. Peter Weckesser (Schneider Electric). Dem Engeren Vorstand gehören an: Dr. Markus Bergholz (Kostal), Christian O. Erbe (Erbe Elektromedizin), Philip W. Harting (Harting), Tim Holt (Siemens Energy), Ulrich Leidecker (Phoenix Contact), Philipp Steinberger (Wöhner), Andreas Urschitz (Infineon).





