VCI: Schlaglicht Chemie & Pharma – März 2026

Gesch. Lesedauer: 2 Minuten
Allgemein, Chemie, Forschung & Entwicklung, Unternehmen
Die neue Markenidentität der Borouge International.
Foto: ifo/VCI

Die Eskalation am Persischen Golf hat die fragile Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter eingetrübt. Die erhoffte Erholung wird jäh ausgebremst. Steigende Energie- und Rohstoffpreise erhöhen die Kosten der Industrie, schüren neue Inflationssorgen und dämpfen den Konsum. Auch in der Chemie nehmen die Konjunkturbedenken wieder zu. Sowohl die Bewertung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für das zentrale Exportgeschäft haben sich negativ entwickelt. Als energieintensiver Sektor ist die Chemie vom Irankrieg besonders betroffen: Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen treiben die Kosten unmittelbar nach oben, während die Auftragsflaute anhält.

Durch die Blockade der Straße von Hormus und die Zerstörung der Energieinfrastruktur am Golf bestehen gravierende Risiken für die internationalen Lieferketten der Branche: Die Golfstaaten, ein wichtiger Exporteur von chemischen Grundstoffen, fallen als Lieferant vorerst aus. Auch andere Exporteure von chemischen Rohstoffen – besonders aus Asien – haben wegen des Irankrieges bereits Force Majeure geltend gemacht und liefern nicht. Europa bezieht aus dem Nahen Osten vor allem petrochemische Grundstoffe. Außerdem besteht bei einigen Grundstoffen der Chemie eine hohe Importabhängigkeit aus der Region. Besonders angespannt ist die Situation bei Cyclohexan, Glycol, Melamin und Methanol. Die fehlenden Mengen aus den Golfstaaten können mangels Kapazitäten nur teilweise durch europäische Eigenproduktion gedeckt werden. Cyclohexan wird vor allem in der Nylonherstellung benötigt, Melamin ist ein Schlüsselvorprodukt für Klebstoffe. Glycole dienen als Lösungsmittel. Methanol ist ein essenzieller Rohstoff in zahlreichen Syntheseprozessen.

Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI Verband der chemischen Industrie e. V., Frankfurt, kommentiert: „Der Irankrieg zeigt schonungslos, wie verwundbar Europa geworden ist. Wenn als indirekte Folge zentrale Vorprodukte fehlen oder unbezahlbar werden, trifft das die deutsche Wertschöpfung mitten ins Herz. Jetzt gilt es, die Stärke unseres Produktionsstandorts voll auszuspielen und die industrielle Basis in Europa konsequent zu sichern. Das Ziel ist klar: Deutschland muss die Resilienz der Wirtschaft stärken, damit geopolitische Krisen unseren Wohlstand nicht gefährden.“

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