traceless eröffnet erste Großanlage für Naturpolymere in Hamburg

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Forschung & Entwicklung, Nachhaltigkeit, Unternehmen, Waste & Recycling
V.l.n.r.: TUHH-Präsident Prof. Andreas Timm-Giel, Senatorin Katharina Fegebank, traceless-Geschäftsführerin Dr. Anne Lamp und Bundesminister Carsten Schneider bei der Eröffnung der ersten Großproduktionsanlage für Naturpolymere.
Foto: Isadora Tast

Das Bioökonomie-Scale-up traceless materials GmbH, Hamburg, hat in Hamburg-Harburg seine erste Großproduktionsanlage eingeweiht. Es sind die weltweit ersten industriellen Produktionskapazitäten für eine Naturpolymer-Technologie der neuen Generation. In der Anlage werden pflanzliche Reststoffe der Agrarindustrie zu einem innovativen Material verarbeitet, das als natürlicher Plastikersatz verwendet werden kann. Mit der Eröffnung der Demonstrationsanlage erreicht das Unternehmen einen wichtigen Meilenstein bei der Skalierung seiner Materialtechnologie. Seine Start-up-Wurzeln hat traceless an der TU Hamburg (TUHH).

Dr.-Ing. Anne Lamp, Geschäftsführerin und Gründerin der traceless, erklärt: „Mit dieser Anlage geht unsere Mission in eine neue Phase. Wir betreten hier buchstäblich Neuland: Wir schaffen die weltweit ersten industriellen Produktionskapazitäten für thermoplastische Naturpolymere, die direkt als Plastikersatz genutzt werden können. Gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern feiern wir heute den Auftakt für eine innovative Materialindustrie, die zirkulär, sauber und zukunftsorientiert ist.“

Grußworte bei der feierlichen Eröffnung in Harburg sprachen unter anderem Carsten Schneider, Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, sowie Katharina Fegebank, Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft. Sie gratulierten und betonten die strategische Bedeutung für Nachhaltigkeit, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen.

Idee für traceless entstand an der TU Hamburg
Der Produktionsprozess der traceless basiert auf nachwachsenden Rohstoffen, ist ressourceneffizient und ermöglicht lokale Lieferketten. Ziel ist, die weltweite Plastikverschmutzung zu bekämpfen, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu beenden und eine zirkuläre Bioökonomie in Europa aufzubauen.

Dieser nachhaltige Ansatz passt sehr gut zur TU Hamburg, aus der die traceless 2020 als Start-up hervorging. TUHH-Präsident Prof. Andreas Timm-Giel bezeichnet das, was die traceless erreicht hat, als „außergewöhnlich“. Mit der Eröffnung seiner ersten Großproduktionsanlage zeigt das Bioökonomie-Scale-up laut A. Timm-Giel, wie nachhaltige Materialinnovation im industriellen Maßstab gelingen kann. „Für die TU Hamburg ist das ein herausragendes Beispiel für ‚Engineering to Face Climate Change‘: Aus ingenieurwissenschaftlicher Forschung entstehen konkrete Lösungen, die industrielle Wertschöpfung, Ressourcenschonung und Klimaschutz verbinden. Dass ein von TUHH-Alumni gegründetes Unternehmen diesen Weg so erfolgreich geht und ihrer Alma Mater bis heute eng verbunden ist, macht uns sehr stolz. Wir gratulieren den Gründerinnen und dem gesamten traceless-Team von Herzen zu diesem beeindruckenden Meilenstein.“

Allein in den vergangenen zehn Jahren sind rund 60 Unternehmen aus der TUHH hervorgegangen und jetzt in der Hamburger Metropolregion und auch weit darüber hinaus aktiv. Mit Einrichtungen wie dem Startup Port @TUHH und der Tutech Innovation GmbH wurde eine Infrastruktur geschaffen, um Gründerinnen und Gründer an der TUHH bestmöglich zu unterstützen.

A. Lamp erklärt: „An der TUHH hat alles begonnen, hier sind die ersten Ideen für unser innovatives Verfahren entstanden. Der Entschluss, diese Technologie aus der Forschung in die wirtschaftliche Praxis zu bringen, war für mich damals ein großer Schritt. Heute bin ich froh, dass ich den Mut dazu hatte, denn nur so können wir echten Impact schaffen. Mit einem tollen Team – darunter sind einige mit TUHH-Hintergrund – haben wir heute unsere Demoanlage eröffnet, und damit ein Leuchtturmprojekt für die industrielle Bioökonomie und Naturpolymere geschaffen.“

Kapazität für globale Pionierkunden
Auf rund 4.000 m² vereint der neue Hauptsitz am Standort Hamburg-Harburg Produktion, Vertrieb, Produkt- und Technologieentwicklung sowie Logistik und Verwaltung. Mit der Kapazität von rund 3.000 t traceless-Material pro Jahr werden künftig namhafte Pionierkunden bedient – beispielsweise der Papier- und Verpackungshersteller Mondi plc, Weybridge, der Versandhändler OTTO GmbH & Co. KGaA und der Distributionspartner Biesterfeld SE, beide Hamburg. Alle zentralen Bereiche der Anlage sind bereits erfolgreich in Betrieb genommen worden, die Produktion wird in den kommenden Monaten schrittweise hochgefahren. Die Anlagentechnik wurde vom traceless-Team, das aktuell rund 110 Mitarbeitende umfasst, intern entwickelt. Auch die Pilotanlage des Unternehmens, die seit 2022 in Buchholz i.d.N. betrieben wird, soll an den Standort umgezogen werden.

Das Investitionsvolumen für die Anlage beträgt mehr als 20 Mio. Euro. Das Vorhaben wurde mit Mitteln in Höhe von 5.128.401 Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm des BMUKN Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Berlin, gefördert. Um ihre Produktionskapazitäten in Zukunft weiter auszubauen, plant die traceless bereits den Bau einer größeren Industrieanlage.

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