osapiens-Studie: Europas Unternehmen halten an Nachhaltigkeitsberichten trotz Omnibus-Reform fest

Gesch. Lesedauer: 3 Minuten
Forschung & Entwicklung, International, Nachhaltigkeit, Unternehmen
Die osapiens hat eine der ersten Studien zum Umgang europäischer Unternehmen mit den Änderungen des Nachhaltigkeits-Omnibuss veröffentlicht.
Foto: osapiens

Europäische Unternehmen entscheiden sich mehrheitlich dafür, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung fortzusetzen – und das, obwohl sie durch das Omnibus-Vereinfachungspaket der EU von den verbindlichen Anforderungen befreit wurden. Laut der neuen Studie „Beyond Compliance: Sustainability Reporting After the Omnibus“ der osapiens Holding GmbH, Mannheim, beabsichtigen 90 % der Unternehmen, die von den CSRD-Berichtspflichten ausgenommen wurden, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung beizubehalten oder sogar auszuweiten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Berichterstattung für viele Unternehmen von einer regulatorischen Verpflichtung zu einer grundlegenden Geschäftsfunktion entwickelt hat.

Von Compliance zum Wettbewerbsvorteil
Nach dem Vereinfachungspaket Omnibus I der EU wurden viele Unternehmen aus dem unmittelbaren Anwendungsbereich formaler Berichtspflichten, beispielsweise im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), ausgenommen. Doch auch wenn das Omnibus-Paket neu definiert wer berichten muss, ändert es nichts daran, dass Nachhaltigkeitsrisiken gesteuert werden müssen. Die Ergebnisse zeigen klar: Nachhaltigkeitsberichterstattung wird längst nicht mehr nur als regulatorische Pflicht verstanden. Sie ist vielmehr zu einem festen Bestandteil geworden, wie Organisationen Risiken managen, Kapital einsetzen und mit Investoren, Kunden und Partnern zusammenarbeiten.

Zentrale Ergebnisse der Studie:

  • 90 % der Unternehmen, die vom Geltungsbereich der CSRD ausgenommen sind, beabsichtigen, ihre Nachhaltigkeitsberichterstattung beizubehalten oder sogar auszuweiten.
  • 86 % dieser Unternehmen sind weiter zuversichtlich, dass sie Berichte erstellen können, die den CSRD-Standards entsprechen.
  • Rund 90 % (88,9 %) aller Unternehmen gehen davon aus, dass sie in den nächsten zwölf Monaten ihre Investitionen in Tools und Automatisierung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung erhöhen werden.
  • 90 % aller Unternehmen geben an, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung bereits teilweise oder vollständig in die Finanzberichterstattungsprozesse integriert ist.

Nachhaltigkeitsdaten werden proaktiv bei wichtigen Geschäftsentscheidungen einbezogen:

  • Betriebs- und Ressourcenplanung (52,8 %)
  • Innovation und Prozessgestaltung (47,7 %)
  • Finanzplanung und Investitionsentscheidungen (38,1 %)
  • Risikobewertung der Lieferkette (38,1 %)

Die Befragten nannten eine verbesserte Transparenz in Bezug auf Klima-, Lieferketten- und Betriebsrisiken (49,2 %) als den wichtigsten Vorteil der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Weitere Vorteile sind ein stärkeres Vertrauen der Investoren durch überprüfbare Informationen (43,8 %), die Erfüllung der Berichts- und Prüfungsanforderungen von Kunden und Partnern (43,8 %) sowie eine bessere Integration von Finanz- und Nachhaltigkeitsentscheidungen (43,3 %).

Das Nachhaltigkeitsparadoxon
Trotz des starken Engagements auf kurze Sicht zeigt die Studie eine strukturelle Spannung auf. Während 90 % der befragten Unternehmen beabsichtigen, weiter zu berichten, erwarten 84,5 %, dass die reduzierte behördliche Kontrolle letztendlich dazu führen wird, dass weniger interne Ressourcen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung bereitgestellt werden.

Budgetbeschränkungen (43 %), fragmentierte Datensysteme (40,7 %), mangelhafte Technologie-/Systemintegration (31 %) und unklare Zuständigkeiten (29,07 %) wurden als die wichtigsten internen Hindernisse für die Aufrechterhaltung einer strukturierten Berichterstattung identifiziert.

Dies führt zu einem, wie es in der Studie beschrieben wird, „Nachhaltigkeitsparadoxon”: einer hohen strategischen Anerkennung des Wertes der Berichterstattung bei gleichzeitig sinkender Ressourcenunterstützung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Automatisierung und zentralisiertes Datenmanagement für Unternehmen, die die Qualität ihrer Berichterstattung aufrechterhalten und gleichzeitig mit Ressourcenengpässen umgehen müssen, von entscheidender Bedeutung sein werden. Dies gilt umso mehr, als die regulatorische Fragmentierung im Rahmen der freiwilligen Berichterstattung zunimmt und Unternehmen sich mit mehreren Rahmenwerken wie VSME, CCF, GRI und ISSB auseinandersetzen müssen.

Expertenmeinungen
Andreas Rasche, Professor an der Copenhagen Business School, merkt an: „Die Ergebnisse zeigen eine klare Präferenz für die Kontinuität der Berichterstattung bei größeren Unternehmen, die im Rahmen des Omnibus-I-Pakets von der Berichtspflicht befreit wurden. Diese Entwicklung rückt freiwillige Berichterstattung und Strategien, die über die Compliance hinausgehen, fest in den Vordergrund der zukünftigen Nachhaltigkeitsagenda.“

Alberto Zamora, Mitbegründer und Co- Chief Executive Officer der osapiens, fügt hinzu: „In den letzten Jahren war die regulatorische Entwicklung weitgehend einseitig: mehr Anforderungen, mehr Unternehmen im Geltungsbereich. Das Omnibus-Paket hat diese Richtung geändert. Unsere Daten zeigen jedoch, dass Unternehmen nicht zurückweichen, wenn die Verpflichtung aufgehoben wird. Sie haben erkannt, dass die Berichterstattung nicht mehr nur eine Compliance-Maßnahme ist, sondern Teil ihres Verständnisses von Risiken, ihrer Kapitalallokation und ihres nachhaltigen Wachstums.“

Die Studie zeigt, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung auch bei geringem regulatorischem Druck weiter eine zentrale Rolle für das Risikomanagement und die Glaubwürdigkeit von Unternehmen spielt. Sie wird zunehmend genutzt, um Finanzierungen zu sichern, Kunden- und Lieferkettenanforderungen zu erfüllen und Investitionen und Betriebsabläufe mit zuverlässigen Daten zu steuern – und wird damit zu einer Markterwartung und einem Wettbewerbsfaktor.

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