Orlen setzt Wachstumskurs fort und verdrängt russische Energiekonzerne im Börsenranking

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ORLEN Olefiny Petrochemie-Anlagen in Płock mit den Ausbauprojekten Nowa Chemia und Olefin III des Energiekonzerns ORLEN.
Foto: ORLEN

Auf dem globalen Kraftstoffmarkt verschieben sich die Kräfteverhältnisse: Der polnische Energiekonzern Orlen S. A., Płock, hat im Jahr 2026 nacheinander den russischen Energiekonzern Gazprom PJSC, den russischen Energiekonzern Novatek PJSC, den russischen Ölkonzern Lukoil PJSC und zuletzt auch den russischen Ölkonzern Rosneft Oil Company PJSC, alle Moskau, an Börsenwert überholt. Derzeit ist keine russische Öl- und Gasgesellschaft, die an internationalen Börsen notiert, mehr wert als der Orlen-Konzern, wie der Sender Euronews, Brüssel, berichtet.

Die Aktie der Orlen stieg laut dem Sender Euronews seit Jahresbeginn 2026 um 45 %. Im Jahr 2025 war der Kurs bereits um 103 % gestiegen. Die Marktkapitalisierung der Orlen liegt aktuell bei über 170 Mrd. Złoty, rund 44,7 Mrd. Dollar.

Den Angaben der Euronews zufolge verlief der Aufstieg in mehreren Etappen: Im März 2026 überholte die Orlen mit einem Börsenwert von mehr als 40 Mrd. Dollar die Gazprom, dessen Notierung damals bei rund 39 Mrd. Dollar lag. Im Juni 2026 folgten die Novatek und die Lukoil, als der Orlen-Konzern mit 47 Mrd. Dollar, umgerechnet 172,6 Mrd. Złoty, einen Rekordwert erreichte. Mitte Juli 2026 zog der Konzern schließlich auch an der Rosneft vorbei, dessen Bewertung zuletzt bei 40,75 Mrd. Dollar lag.

Die Gazprom war laut dem der Euronews einst das wertvollste russische Unternehmen mit einer Bewertung von bis zu 200 Mrd. Dollar. Seit dem Höchststand im Oktober 2021 ist die Bewertung des Konzerns in Rubel um rund 80 % gesunken. Auch die Rosneft-Aktie sank innerhalb weniger Wochen um rund 20 % und notiert nach den Angaben wieder auf dem Niveau von Oktober 2022 – während die Aktie des Orlen-Konzerns im selben Zeitraum um mehr als 170 % gestiegen ist.

Im europäischen Vergleich belegt die Orlen inzwischen Rang drei unter den börsennotierten Öl- und Energiefirmen der Europäischen Union, hinter dem französischen Energiekonzern TotalEnergies SE, Courbevoie, und dem italienischen Energiekonzern Eni S.p.A., Rom. Unter Einbeziehung von Unternehmen außerhalb der EU liegen nur der britische Energiekonzern Shell p.l.c., London, der britische Energiekonzern bp p.l.c., London, und der norwegische Energiekonzern Equinor ASA, Stavanger, vor der Orlen, was für den Konzern kontinentweit Platz sechs bedeutet.

Als Gründe nennt Jakub Wiech, Energieexperte des Portals Elektryfikacja.eu, im Gespräch mit dem Sender Euronews mehrere Faktoren: Russische Energiekonzerne verfügen zwar weiter über große Rohstoffreserven, werden an der Börse aber wegen Sanktionen, eingeschränktem Kapitalzugang, politischer Risiken und Exportproblemen mit deutlichem Abschlag bewertet. Die Orlen profitiert dagegen von der Notierung im EU-Markt, einem stabileren regulatorischen Umfeld und der größeren Unternehmensgröße nach der Übernahme der Grupa Lotos S. A., Gdańsk und der PGNiG Polskie Górnictwo Naftowe i Gazownictwo S. A., Warschau.

Besonders schwer wiegt laut J. Wiech die Zerstörung zentraler russischer Raffinerien, beispielsweise in Ufa und Tuapse, durch ukrainische Angriffe. Im Interview mit dem Sender Euronews sagte er dazu: „Rosneft befindet sich derzeit in einer katastrophal schwierigen Lage.“ Die Sanktionen erschweren außerdem die Beschaffung von Ersatzteilen und damit Reparaturen an den Anlagen.

Die Folgen zeigen sich auch abseits der Börse: Nach Angaben des Senders herrscht in Russland eine erhebliche Kraftstoffkrise, an vielen Tankstellen fehlt Benzin, in einigen Regionen gelten Verkaufsbeschränkungen. Russland importiert deshalb Benzin aus Ländern wie Indien und Kasachstan. Neben den seit vier Jahren verschärften Sanktionspaketen haben insbesondere ukrainische Angriffe auf russische Tankschiffe im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer in der ersten Julihälfte 2026 zur Schwächung der russischen Energiewirtschaft beigetragen.

Die Orlen gilt laut der Euronews zugleich als Profiteur der aktuellen Energiekrise rund um die Straße von Hormus und erzielt überdurchschnittliche Gewinne; in Polen wird deshalb an einer Sondersteuer auf Übergewinne des Konzerns gearbeitet. Der Orlen-Konzern treibt außerdem mehrere Investitionsprojekte voran, darunter Solar- und Windparks, einen Offshore-Windpark gemeinsam mit Northland Power sowie ein Gas-und-Dampf-Kraftwerk in Grudziądz, das bereits Strom ins Netz einspeist.

J. Wiech mahnt den Angaben zufolge dennoch zur Vorsicht: Selbst ein vollständiges Ende der Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur würde die Bewertungen russischer Unternehmen nicht rasch auf das Vorkriegsniveau zurückführen, da die Belastung durch Sanktionen laut Prognose weiter zunimmt. Wie lange die Rallye der Aktie des Orlen-Konzerns anhält, die sich aktuell auf historischen Höchstständen befindet, ist dagegen schwer vorherzusagen.

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