OG Clean Fuels: Deutsches Veto ermöglicht mehr Klimaschutz bei Lkw

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Logistik, Politik
Klimawirksame CO2-Emissionen: Well-to-Wheel.
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Auch wenn ein Veto gegen den aktuellen Entwurf der EU-Flottenregulierung bei schweren Lkw auf den ersten Blick wie ein Bremsmanöver aussieht: Deutschland gibt damit einen wichtigen Impuls für mehr Klimaschutz. Denn nach den Plänen der EU soll im Rahmen der Regulierung nicht das von den Lkw verursachte klimaschädliche CO2 berücksichtigt werden, sondern durch den Tank-to-Wheel-Ansatz der EU würde nur ein Teil der CO2-Emissionen berücksichtigt. Wie klimaschädlich die erforderliche Antriebsenergie erzeugt wird, bleibt außen vor. Die von Teilen der Bundesregierung sowie über 50 Verbänden und Unternehmen aus der Transport- und Energiewirtschaft geforderte sofortige Einführung eines Carbon Correction Factors (CCF) würde dagegen kurzfristig zu weniger CO2-Emissionen in der Praxis führen und ein Einstieg in die Well-to-Wheel-Systematik ermöglichen. Neben dem Klimaschutz wären auch Transport- und Logistik-Unternehmen die Gewinner, da der CCF ein wichtiger Hebel für den Einsatz von wirtschaftlich verfügbaren regenerativ erzeugten Kraftstoffen wäre. So können mit Bio-CNG und Bio-LNG schwere Lkw schon heute kohlendioxidneutral in Deutschland betrieben werden. Der vorliegende Entwurf für die EU-Flottenregulierung benachteiligt diese alternativen Antriebe jedoch stark.

Um CO2-Emissionen beim Einsatz schwerer Lkw schnell, stark und klimawirksam zu senken, sind regenerativ erzeugte Kraftstoffe erforderlich. Auch langfristig lassen sich die Klimaschutz-Ziele im Transportsektor ohne diese Antriebsenergien nicht erreichen. Die Pläne der EU bremsen klimaschonende Kraftstoffe jedoch bis mindestens 2027 aus und verhindern so einen schnellen Einstieg in mehr Klimaschutz. Die Enthaltung Deutschlands bei der abschließenden Abstimmung würde zusammen mit den Ablehnungen durch weitere EU-Staaten zu neuen Verhandlungen führen, die die Einführung eines Carbon Correction Factors (CCF) ermöglichen. Durch den CCF fließen die CO2-Emissionen, die bei der Herstellung und beim Transport der Antriebsenergie anfallen, in die Einstufung von neuen Lkw ein. Nach dem bisherigen regulatorischen Ansatz, wird lediglich das am Auspuff eines Fahrzeugs entweichende CO2 gemessen. Johan Bloemsma, Deutschland-Chef der OG Clean Fuels einer Marke der OrangeGas Germany GmbH, Verden, erklärt, dass durch den CCF die klimarelevante Betrachtung von der Produktion der Antriebsenergie bis zum Auspuff erweitert und damit erstmals ein großer Teil der klimaschädlichen Emissionen durch den Einsatz von schweren Nutzfahrzeugen abgebildtet wird. Die OG Clean Fuels ist ein Tankstellenbetreiber und bietet in mehreren europäischen Staaten sämtliche klimaschonenden Antriebsenergien an: Bio-CNG, Bio-LNG, „grünen“ Wasserstoff, HVO100 und Ökostrom an Elektroschnelladesäulen. In Deutschland ist die OG Clean Fuels nach eigenen Angaben Marktführer beim Betrieb von CNG-Tankstellen. Große Flotten wie die von DHL und Amazon gehören ebenso zu den Kunden der OG Clean Fuels wie die mittelständische Transportwirtschaft und Kleinunternehmen. Das von der OG Clean Fuels in Deutschland angebotene Bio-CNG sorgt laut eigenen Angaben für eine sofortige Senkung der CO2-Emissionen um mindestens 90 %. Je nach Kundenwunsch ermöglicht die OG Clean Fuels auch eine klimaneutrale Logistik.

Wirksamer Klimaschutz muss die Antriebsenergie berücksichtigen
Für den Klimaschutz und das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels ist es unerheblich, wo die CO2-Emissionen durch den Betrieb eines Lkw anfallen – beim Kraftwerk, in der Raffinerie oder am Auspuff, stellt J. Bloemsma klar. Bei der Produktion von Bio-CNG aus Mist – wie von der OG Clean Fuels genutzt – werden der Atmosphäre mehr CO2-Äquivalente entzogen, als später bei der Verbrennung des Kraftstoffs im Motor entstehen. Daher ist je nach eingesetzten Abfall- und Reststoffen klimaschonendes, klimaneutrales oder klimapositives Fahren möglich. Dieser Klimaschutzbeitrag wird jedoch seiner Aussage nach seitens der EU-Regulierung und des deutschen Gesetzgebers nicht berücksichtigt. Aufgrund der Zulassungs- und Mautregelungen werden mit Bio-CNG betriebene Gas-Lkw genauso schlecht behandelt wie Lkw, die mit fossilem Diesel betankt werden. Aktuell sieht J. Bloemsma, dass durch die politischen Rahmenbedingungen Lkw, die mit regenerativen Kraftstoffen betrieben werden, wirtschaftlich aus dem Markt gedrängt werden. Die Unternehmer steigen daher wieder auf fossilen Dieselkraftstoff um. Mit der Einführung eines Carbon Correction Factors kann diese für den Klimaschutz fatale Entwicklung gestoppt werden.

J. Bloemsma fordert die Bundesregierung auf, den Irrweg des Tank-to-Wheel-Ansatzes zu stoppen und sich für den CCF bei europäischen CO2-Flottengrenzwerten für schwere Nutzfahrzeuge einzusetzen. Diese Forderung wird von einer Vielzahl von Verbänden und Unternehmen aus allen Bereichen der Transport- und Energiewirtschaft getragen. Einzelne Lkw-Hersteller mögen das anders sehen und gegen einen klimaschonenden Mix von Antriebsenergien sein. Doch besonders die Transportwirtschaft fordert einen technologieoffenen Ansatz, schließt J. Bloemsma ab.

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