Elvah-Report 2025: Wettbewerb an Ladesäulen nimmt Fahrt auf – mehr Ladevorgänge in Deutschland und Europa

Gesch. Lesedauer: 3 Minuten
E-Mobilität, Nachhaltigkeit, Tankstellen, Unternehmen
E-Auto an einer öffentlichen Ladesäule: Der Elvah-Report zeigt deutliches Wachstum bei Ladevorgängen und eine zunehmende Vielfalt an Preismodellen.
Foto: elvah

Der am Montag den 1. September veröffentlichte Report I.2025 der elvah GmbH, Essen, liefert erneut Einblicke in den Markt für öffentliches Laden von Elektrofahrzeugen. Trotz anhaltender Unsicherheiten in der E-Mobilitätspolitik und einer verhaltenen Entwicklung bei den Neuzulassungen vollelektrischer Fahrzeuge zeigt sich der deutsche Lademarkt auf Expansionskurs.

Der Markt wächst: 689 GWh in rund 29 Mio. Ladevorgängen
Im ersten Halbjahr 2025 ist sowohl die gesamt geschätzte Energiemenge auf 689 GWh als auch die Zahl der Ladevorgänge auf 29 Mio. Ladevorgänge weiter gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von rund 16 % gegenüber dem zweiten Halbjahr 2024. Gleichzeitig ist die Zahl der aktiven Ladepunkte in Deutschland im ersten Halbjahr um 21 % auf über 211.000 gewachsen. Damit bestätigt sich der Trend der vergangenen Jahre: Das öffentliche Laden etabliert sich zunehmend als tragende Säule der Elektromobilität.

Berlin, Bremen und Hessen setzen mit Wachstumsraten zwischen 19 % und 21 % die stärksten Wachstumsimpulse. Hamburg bleibt Spitzenreiter bei den Ladevorgängen pro Kopf, während Nordrhein-Westfalen weiter den größten Einzelmarkt stellt. Am wenigsten stark entwickelten sich Thüringen, Sachsen und das Saarland.

Intensiver Wettbewerb und neue Preismodelle
Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Karlsruhe, behauptet laut Aussage der elvah, im Schnelllade-Segment klar die Marktführerschaft, während die Ionity GmbH, München und die Aral pulse, die E-Mobilitätsmarke der Aral AG, Bochum, mit Abstand folgen. Auffällig ist die Effizienz der Fastned B. V., Amsterdam, und der Ionity, die mit einer guten Auslastung überzeugen und ihre Infrastruktur am besten ausnutzen. Im AC-Bereich prägen kommunale und regionale Versorger das Bild, ergänzt durch wachsende Aggregatoren, also Anbieter, die Ladepunkte verschiedener Betreiber unter einer gemeinsamen Plattform bündeln und vermarkten, ohne zwingend selbst Betreiber zu sein, wie die vaylens GmbH, Dortmund, und Ladeverbund+, eine Marke der solid GmbH, Nürnberg.

Neben dem reinen Wachstum bleibt eine zentrale Herausforderung bestehen: Zahlreiche Standorte können keine tragfähige Auslastung vorweisen, was den Wettbewerb zwischen den Betreibern weiter verschärft. Preisaktionen, flexible Tarife und erste dynamische Preismodelle sind daher keine Ausnahme mehr, sondern beginnen, sich als strategische Instrumente im Markt zu etablieren. Immer mehr Betreiber experimentieren mit flexiblen Preisgestaltungen. Für die Ladesäulenbetreiber (CPOs) wird es entscheidend, ihre Standorte nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich optimal zu nutzen.

Europa macht beim Laden Tempo
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass die Dynamik auch international ungebrochen ist. Besonders deutlich fällt der Anstieg der Ladevorgänge im ersten Halbjahr 2025 in Belgien (+ 45 %) und den Niederlanden (+ 41 %) aus. Fast alle betrachteten Märkte weisen ein deutliches Wachstum auf, was die europaweite Relevanz einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur unterstreicht.

Experten wie Sebastian Henßler, Herausgeber der Internetseite Elektroauto-News.net und ausgewiesener Kenner der Elektromobilitätsbranche, sorgen im Report für eine Einordnung der Daten. So verweist S. Henßler auf spannende Unterschiede in den europäischen Märkten: „Mit fast einem Ladevorgang pro Einwohner liegt Luxemburg weit über dem Schnitt – eine Folge klarer staatlicher Steuerung und hoher Netzdichte.“ Auch die Niederlande erreichen denselben Meilenstein. In Österreich wiederum, so der Experte, zeigt sich eine stark regional organisierte Ladeinfrastruktur.

Eine weitere Einschätzung kommt von Christian Wagener, Managing Director & Partner der Boston Consulting Group. Er betont das Erfolgsrezept einzelner Anbieter, die es durch starke Partnerschaften mit Einzelhandels- und Parkhausbetreibern, zügiger lokaler Umsetzung mit leistungsstarken EPC-Partnern und einem überzeugenden Kundenerlebnis an die Spitze geschafft haben.

Preise, Standorte, Strategien: Der Wettbewerb zieht an
Die Entwicklungen im Jahr 2025 werden zeigen, ob sich der Wettbewerb weiter über Preis, Standort und Marke definiert. Klar ist laut der elvah: Die Betreiber müssen ihre Strategien zum Beispiel über die Preisgestaltung zunehmend flexibel anpassen, um im dynamischen Marktumfeld erfolgreich zu bleiben.

„Der öffentliche Lademarkt in Deutschland ist trotz politischer Unsicherheiten mit Dynamik ins Jahr 2025 gestartet. Auffällig ist die zunehmende Vielfalt an Preismodellen, die den Wettbewerb verändern könnten. Entscheidend wird sein, wie Betreiber ihre Strategien flexibel anpassen, um Standorte wirtschaftlich erfolgreich zu machen“, sagt Sören Ziems, Mitgründer und Managing Director der elvah.

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