Bei der Autowäsche verhindern KI-gestützte Systeme bereits heute Ausfälle und verbessern kontinuierlich Waschqualität sowie Energie- und Chemieverbrauch. Ein Mehrwert für alle Seiten. Von zu Hause aus die Wäsche buchen und das autonom fahrende Auto zum Waschen schicken? Philipp Kreb von der WashTec Cleaning Technology GmbH erklärt im Interview mit dem eot, was KI im Waschgeschäft heute schon leistet und wohin die Entwicklung noch gehen kann.
Die WashTec möchte ihre Kunden fit machen für das Autowaschgeschäft von heute und morgen. Wie würden Sie den Status quo heute beschreiben? Wo sehen Sie die größten Veränderungen in den kommenden Jahren?
Nachhaltigkeit in der Autowäsche – insbesondere in Bezug auf Wasserverbrauch und Chemie – bleiben weiterhin relevant und für Autofahrer ein wichtiges Entscheidungskriterium. Wir sehen ein sich veränderndes Kundenverhalten, insofern als dass das Erlebnis Autowäsche eine stärkere Rolle spielt. Hier denke ich nicht nur an farbige LED, sondern auch an die Waschqualität. Mit unserer neuen Politur MagicCare haben wir hier ins Schwarze getroffen. MagicCare hebt die Qualität der Autowäsche auf ein Level, sodass der Kunde den Unterschied sieht. Ein weiterer großer Veränderungstreiber sind digitale Services. Moderne Zahlungs und Buchungsmöglichkeiten – ob per App oder In Car Payment – entwickeln sich vom Zusatznutzen zum klaren Must-have. Sie sorgen für Komfort, Geschwindigkeit und Kundenbindung.

In Summe sehen wir die größten Veränderungen in der intelligenten Verbindung von Nachhaltigkeit, Qualität, Erlebnis und Digitalisierung. Wer diese vier Dimensionen ganzheitlich denkt, wird das Autowaschgeschäft der kommenden Jahre erfolgreich gestalten.
Welche Rolle spielt die Autowäsche im Gesamtkontext moderner Tankstellen – gerade in Hinblick auf Mobility Hubs?
Es handelt sich heute nicht mehr um ein reines Profitcenter „Waschen“, sondern entwickelt sich zu einem Kundenbindungsinstrument. Es sorgt dafür, dass Kundinnen und Kunden mehr Zeit im Shop verbringen und dass sie dort Tanken, wo sie auch komfortabel ihr Auto waschen können, an ihrer „Lieblingstankstelle.“
Was bringen Sie für konkrete Lösungen für die Tankstelle der Zukunft mit?
Neben der qualitativ besten Wäsche bieten wir vollständige Geschäftsmodelle – passend zum jeweiligen Bedarf und Budget unserer Betreiber. Durch Plattformanbindungen, wie WashNow sowie App-Lösungen machen wir die Standorte für Autofahrer sichtbar und ermöglichen moderne und optimale Kundenprozesse direkt an der Tankstelle. Ganz klar, in der digitalen Welt entscheidet Sichtbarkeit über den Erfolg. Ob bei der Bezahlung des Parktickets oder der Buchung einer Autowäsche – Autofahrer suchen online oder nutzen Apps. Sie erwarten Angebote, die nahtlos in Mobilgeräte und In-Car-Systeme integriert sind, mit einem Klick buchbar und flexibel nutzbar. WashNow bietet jetzt die Möglichkeit, mit dem jeweiligen Waschangebot digital präsent zu sein – und das risikofrei für die Betreiber.
Wie funktioniert das?
Mit WashNow verbindet WashTec Waschanlagen direkt mit digitalen Buchungs- und Bezahlkanälen – von Tankkarten- und Carsharing-Anbietern bis hin zu In-Car-Payment- und Hersteller-Infotainment-Systemen. Betreiber werden über WashNow automatisch in diesen digitalen Kanälen gelistet und erreichen so mehr Kunden.
Mit dem In-Car-Payment-Pionier ryd und der Kemptener Präg-Gruppe haben wir bereits starke Partner an unserer Seite, die die Vision einer digitalen Waschinfrastruktur teilen. Präg, eines der größten mittelständischen Tankstellenunternehmen Deutschlands mit einem Netz von 107 Stationen, treibt die Digitalisierung seiner Services konsequent voran. Nach aktuellem Stand haben wir bereits über 150 Verträge abgeschlossen; über 100 Standorte sind bereits angebunden. Die Nachfrage ist also vorhanden – und es ist ein guter Zeitpunkt, sich als Betreiber beraten zu lassen. Aktuell ist WashNow ausschließlich in Deutschland verfügbar, doch in Zukunft soll der Service auch in weiteren Ländern angeboten werden.
Was macht die WashTec technologisch besonders innovativ? Wo differenzieren Sie sich klar vom Wettbewerb?
Unsere Vertriebsberater betrachten, dank jahrzehntelanger Erfahrung und einem 100%igen Fokus auf Autowäsche, stets den gesamten Betrieb unserer Kunden. Auf dieser Basis bieten wir die optimale Kombination aus Technik, Chemie und Digitalisierung – und damit integrierte, strategisch sinnvolle Gesamtlösungen. Auf technischer Ebene liefern unsere Systeme perfekt abgestimmte Maschinen, präzise Sensorik und moderne digitale Betreiberprozesse. Das führt zu höherer Effizienz, kürzeren Waschzeiten und einer verbesserten Waschqualität.
Wie weit ist die Branche insgesamt bei der Digitalisierung und wo sehen Sie noch die größten Lücken?
Digitalisierung ist ein großes Wort – in der Praxis bestehen an Tankstellen jedoch häufig nur Einzellösungen, die lediglich Teilbereiche digitalisieren. Dadurch entsteht für Kunden und Betreiber oft zu wenig alltäglicher Nutzen. In puncto reiner Informationsvermittlung hingegen sind wir in der Branche bereits sehr gut aufgestellt.
Die größten Lücken sehen wir dort, wo Prozesse nicht ganzheitlich gedacht werden: bei der intelligenten Verknüpfung von Systemen, bei durchgängigen Customer Journeys sowie bei datenbasierten Services, die echten Mehrwert im Alltag schaffen. Häufig fehlt es weniger an einzelnen digitalen Tools als an integrierten Lösungen, die Technik, Betrieb und Kundenerlebnis sinnvoll zusammenbringen und damit messbare Effizienz- und Komfortgewinne ermöglichen.
Welche Rolle spielen Daten in Ihren Systemen heute und wie nutzen Sie diese konkret zur Optimierung von Prozessen?
Daten spielen in unseren Systemen eine zentrale Rolle. Sie helfen uns, den Zustand unserer Waschanlagen kontinuierlich zu überwachen und Abweichungen oder Probleme frühzeitig zu erkennen – oft noch bevor sie den Betrieb oder die Kundenzufriedenheit beeinträchtigen.
Darüber hinaus nutzen wir Prozess- und Nutzungsdaten gezielt, um Waschprogramme, Abläufe und Ressourceneinsatz laufend zu optimieren. So verbessern wir nicht nur die Waschqualität, sondern steigern gleichzeitig die Effizienz und Verfügbarkeit im täglichen Betrieb.

Auch in der Forschung und Entwicklung sind datenbasierte Erkenntnisse ein wichtiger Treiber: Erfahrungen aus dem Feld fließen direkt in Neuentwicklungen ein – etwa bei Lösungen wie SmartCare Connect, bei denen Konnektivität, Nutzerverhalten und Prozessintelligenz von Anfang an mitgedacht werden.
Wo sehen Sie ganz konkret die größten Potenziale von KI im Waschanlagenbetrieb? Und können Sie Anwendungsfälle nennen, die bereits Realität sind?
KI bietet im Waschanlagenbetrieb vor allem Potenziale in der vorausschauenden Wartung und der Echtzeitoptimierung von Waschprozessen, etwa durch die frühzeitige Erkennung von Störungen und die automatische Anpassung von Parametern wie Wasserdruck oder Bürstenbewegungen. Bereits heute sind KI-gestützte Systeme im Einsatz, die mithilfe von Machine Learning Ausfälle verhindern und Waschqualität, Energie- sowie Chemieverbrauch kontinuierlich verbessern.
Welche konkreten KI-gestützten Anwendungen plant die WashTec für die kommenden Jahre, und wie verändern diese den Betrieb und die Kundeninteraktion?
Künstliche Intelligenz wird für uns zu einem zentralen Hebel, um den Waschanlagenbetrieb noch stärker zu digitalisieren und zu automatisieren. In den kommenden Jahren werden KI-gestützte Systeme Betriebsdaten in Echtzeit analysieren, Muster erkennen und daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten – bis hin zu automatisierten Entscheidungen im laufenden Betrieb. Das betrifft vor allem die vorausschauende Wartung, die intelligente Steuerung von Waschprozessen sowie die Optimierung von Energie- , Wasser- und Chemieverbrauch. Anlagen werden zunehmend selbstlernend: Sie passen Programme dynamisch an Fahrzeugtyp, Verschmutzungsgrad oder Auslastung an und steigern so Effizienz, Qualität und Verfügbarkeit.
Gleichzeitig verändert KI die digitale Kundeninteraktion. Waschangebote lassen sich gezielt personalisieren, Prozesse werden noch einfacher und nahtloser – von der digitalen Auffindbarkeit über Buchung und Bezahlung bis hin zum individuellen Wascherlebnis. Unser Anspruch ist es, Komplexität im Hintergrund durch intelligente Digitalisierung zu beherrschen und sowohl Betreibern als auch Endkunden spürbaren Mehrwert zu bieten. Denkt man an autonom fahrende Autos, wird man die Wäsche zu Hause buchen und das Auto zum Waschen schicken.

Die Autowäsche gilt oft als unterschätzter Umsatzhebel. Warum wird dieses Potenzial aus Ihrer Sicht häufig nicht vollständig ausgeschöpft? Und inwieweit greift die WashTec diese Problematik auf?
Ich denke, die Autowäsche wird häufig als isoliertes Profitcenter betrachtet – und nicht als der sogenannte „Dritte Ort“ an der Tankstelle, der regelmäßig Frequenz bringt und Kundenbindung schafft. Gleichzeitig waren in den vergangenen Jahren umfangreiche Investitionen in Bereiche wie Shop-Modernisierung,
E-Mobility, Wasserstoff, HVO, Gastronomiekonzepte sowie Bezahlsysteme und Apps notwendig. Entsprechend lag der Fokus vieler Betreiber stark auf dem klassischen Kerngeschäft der Tankstelle.
Hinzu kommt, dass das volle Potenzial der Autowäsche oft erst dann sichtbar wird, wenn sie konsequent in das Gesamtkonzept eingebunden ist – von der Sichtbarkeit über die Customer Journey bis hin zu digitalen Angeboten und Services. Genau hier setzen wir als WashTec an: Wir denken Autowäsche nicht isoliert, sondern als integrierten Bestandteil des Standorts. Mit vernetzten Lösungen, datenbasierten Services und Endkundenangeboten unterstützen wir Betreiber dabei, die Autowäsche als echten Umsatz- und Frequenztreiber zu etablieren und das vorhandene Potenzial nachhaltig auszuschöpfen.
Ihr Unternehmen bietet nicht nur Maschinen, sondern auch digitale Lösungen und Services an. Wie wichtig ist dieser ganzheitliche Ansatz für Ihre Kundinnen und Kunden und welche Produkte erfahren dabei die größte Aufmerksamkeit?
Unsere Kundinnen und Kunden haben im Kern sehr ähnliche Bedürfnisse: Sie wollen Sichtbarkeit, einfache Prozesse und ein reibungsloses
Wascherlebnis – für sich selbst genauso wie für ihre Waschkunden. Unterschiede ergeben sich weniger im Anspruch als vielmehr in der Ausgestaltung, je nach Standort, Zielgruppe und Geschäftsmodell.
Genau deshalb ist ein ganzheitlicher Ansatz für uns entscheidend. Maschinen, digitale Lösungen und Services greifen bei WashTec bewusst ineinander, um den Waschbetrieb effizienter zu machen und gleichzeitig das Kundenerlebnis zu verbessern. Aktuell steht dabei insbesondere unser Angebot WashNow im Fokus: Die digitale Plattform verbindet Betreiber und Autofahrer auf einfache Weise und erfährt dabei große Aufmerksamkeit, weil sie den gesamten Prozess ganzheitlich abbildet – von der Auffindbarkeit über die Buchung bis hin zur Bezahlung.
Ergänzend dazu spielen auch vernetzte Services und datenbasierte Lösungen eine wichtige Rolle, etwa zur Steigerung der Anlagenverfügbarkeit, zur Optimierung von Prozessen oder zur besseren Auslastung. Wir verfolgen in diesem Zusammenhang immer den Anspruch, nicht einzelne Produkte zu liefern, sondern ein stimmiges Gesamtsystem, das den Alltag unserer Kundinnen und Kunden spürbar erleichtert und ihr Geschäft nachhaltig stärkt.
Welche Anforderungen müssen die Standorte für Waschanlagen erfüllen, um Ihre Lösungen optimal nutzen zu können?
Für die Nutzung unserer Lösungen – insbesondere WashNow – benötigen Standorte im Grunde nur eine vernetzte Waschanlage. Je mehr Betreiber sich anschließen, desto stärker wächst der Nutzen, weil WashNow dadurch von noch mehr Autowaschkunden genutzt werden kann und wir eine flächendeckende Lösung in ganz Europa ermöglichen. Wir bauen das Netzwerk gerade massiv aus und es ist ein guter Zeitpunkt sich anzuschließen.
In welchen internationalen Märkten ist die WashTec aktuell aktiv, und wie unterscheiden sich die Anforderungen und Trends je nach Region?
WashTec ist weltweit aktiv – mit eigenen Gesellschaften in Europa, Nordamerika sowie in Asien/Pazifik und einem starken Netzwerk aus Vertriebspartnern in zahlreichen weiteren Märkten. Über alle Regionen hinweg sehen wir einen klaren gemeinsamen Trend: Digitalisierung und datenbasierte Steuerung des Waschgeschäfts gewinnen massiv an Bedeutung.
Die Schwerpunkte unterscheiden sich jedoch regional. In Europa stehen vernetzte Anlagen, Nachhaltigkeit und digitale Services zur Effizienzsteigerung im Fokus. In Nordamerika liegt der Schwerpunkt stark auf Skalierung, Automatisierung und datengetriebener Optimierung von Durchsatz und Verfügbarkeit.
Wenn Sie auf die nächsten fünf bis zehn Jahre blicken: Wie wird sich – Ihrer persönlichen Einschätzung nach – das Waschen von Fahrzeugen verändern? Welche Rolle wird KI dabei spielen? Und stehen wir in puncto KI gerade noch ganz am Anfang?
Ich bin davon überzeugt, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Fahrzeugwäsche deutlich automatisierter, vernetzter und stärker personalisiert sein wird – KI wird dabei vor allem Prozesse optimieren, Störungen vorhersagen und das Kundenerlebnis in Echtzeit verbessern. Wir stehen bei KI zwar nicht mehr ganz am Anfang, aber noch am Beginn einer Entwicklung, die den Betrieb von Waschanlagen Schritt für Schritt effizienter, intelligenter und sowohl für Betreiber als auch die Kunden deutlich komfortabler machen wird.





