Der neue Hamburger Stadtteil Grasbrook soll bereits zum Start mit einem Anteil von mehr als 90 % erneuerbaren Energien und unvermeidbarer industrieller Abwärme bei der Wärmeversorgung betrieben werden. Damit liegt das Projekt deutlich über der gesetzlichen Zielvorgabe von mindestens 80 % erneuerbarer Wärme, die bundesweit erst für 2040 vorgesehen ist.
Grundlage dafür ist die Anbindung an die bestehende Wärmeinfrastruktur der enercity AG, Hannover, die bereits die östliche HafenCity und den Stadtteil Rothenburgs-
ort überwiegend mit industrieller Abwärme aus dem Werk der Aurubis AG, Hamburg, versorgt. Für den Grasbrook wird dieses Netz erweitert und schrittweise um zusätzliche lokale Erzeugungsanlagen ergänzt.
Nach einem europaweiten Vergabeverfahren hat die HafenCity Hamburg GmbH die Dienstleistungskonzession für die Wärme- und Kälteversorgung an die enercity Contracting Nord GmbH, Hamburg, eine Tochtergeselschaft der enercity AG, vergeben.
Wärme- und Kältenetz wächst mit dem Stadtteil
Das Versorgungskonzept sieht eine integrierte Wärme- und Kälteversorgung vor, die parallel zur Quartiersentwicklung ausgebaut wird. Geplant sind rund 7,3 km Wärmeleitungen sowie rund 1,8 km Kälteleitungen im Hafentorquartier. Ab 2035 soll dort außerdem eine netzgebundene Kälteversorgung auf Basis erneuerbarer Energien und industrieller Abwärme zur Verfügung stehen.
Auf dem rund 47 ha großen Entwicklungsgebiet entstehen mindestens 3.000 Wohnungen sowie rund 16.000 Arbeitsplätze. Die ersten Bauvorhaben im Moldauhafenquartier sollen ab Herbst 2028 beginnen.
Bestehende Infrastruktur als Vorteil
Zum Versorgungsstart profitiert der Grasbrook von der bereits vorhandenen Wärmeinfrastruktur. In einer ersten Ausbaustufe wird der Stadtteil an das bestehende enercity-Wärmenetz angeschlossen und kann dadurch sofort auf vorhandene Wärmequellen und Erzeugungsanlagen zugreifen.
Mit dem weiteren Ausbau sollen zusätzliche regenerative Anlagen integriert werden. Vorgesehen sind unter anderem Wärmepumpen, die Umweltwärme aus Luft und gegebenenfalls Abwasser nutzen. Das System ist modular aufgebaut und kann an den tatsächlichen Wärme- und Kältebedarf angepasst werden.
Bis zum Jahr 2040 soll der Anteil erneuerbarer Energien und unvermeidbarer Abwärme in der Wärmeversorgung des Grasbrooks auf 100 % steigen.
Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg, sagt: „Der neue innovative Grasbrook wird über ein zentrales Wärme- und Kältenetz verfügen. Dieses stellt sicher, dass die neuen Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch die Unternehmen, effizient und zu wirtschaftlich attraktiven Bedingungen mit Energie versorgt werden.“
Gemeinsame Planung von Wärme und Kälte
Ein wesentliches Merkmal des Konzepts ist die gemeinsame Planung von Wärme- und Kälteversorgung. Dadurch kann auf zahlreiche dezentrale Anlagen in einzelnen Gebäuden verzichtet werden. Gleichzeitig werden die unterschiedlichen Anforderungen von Wohn- und Gewerbeflächen berücksichtigt.
Während im Moldauhafenquartier primär Wärme benötigt wird, entsteht im stärker gewerblich geprägten Hafentorquartier zusätzlicher Kältebedarf. Die leitungsgebundene Kälteversorgung zählt in Deutschland bislang noch zu den seltenen Anwendungen.
Sascha Brandt, Leiter der Niederlassung Hamburg der enercity Contracting Nord, sagt: „Wir bringen verschiedene Energiequellen in einem effizienten Verbundsystem für die Wärme- und Kälteversorgung zusammen: unvermeidbare industrielle Abwärme, Großwärmepumpen für die Erschließung lokaler Wärmequellen sowie Biomethan zur Deckung der Bedarfsspitzen.“
Mit dem Anschluss Grasbrooks erweitert die enercity Contracting Nord ihr größtes Hamburger Versorgungsgebiet. Einschließlich der geplanten Ausbaustufen soll die versorgte Fläche künftig von derzeit rund 1,5 Mio. m² auf rund 2,5 Mio. m² anwachsen.





