en2x: Deutsche Netto-Tankstellenpreise unter europäischem Durchschnitt Auch Länder mit „Preisdeckel“ stehen nicht besser da.

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Unter Berücksichtigung des indikativ geschätzten RED-Preiseffekts fällt der Residualpreis für Diesel und Benzin insbesondere in Deutschland und den Niederlanden deutlich niedriger aus.
Foto: en2x

Vor dem Hintergrund des aktuellen Benzin-Allzeithochs lohnt sich ein Blick auf die europäischen Nachbarn: Frontier Economics Ltd. London, hat im Rahmen einer aktualisierten Kurzstudie Tankstellenpreise in verschiedenen Ländern der EU verglichen. Betrachtet wurden Steuern und Abgaben wie die CO2-Bepreisung sowie Preiseffekte, die sich aus Klimaschutz-Anforderungen der EU (Renewable Energy Directive, RED) ergeben. Hier unterscheiden sich die nationalen Umsetzungen stark, in Deutschland fallen die Preisaufschläge vergleichsweise hoch aus.

Preisentwicklung in Deutschland vergleichbar mit EU-Nachbarstaaten, Italien und Spanien
Nach Abzug der staatlich bedingen Preisanteile lag der Nettopreis für Diesel in Deutschland im Durchschnitt unter denen aller EU-Nachbarländer plus Italien und Spanien. „Diese Zahlen widerlegen die Behauptung, die Mineralölwirtschaft hierzulande habe die Krise ausgenutzt“, sagt Prof. Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des en2x Wirtschaftsverband Fuels und Energie e. V., Berlin. Außerdem hat sich der krisenbedingte Preisanstieg in Deutschland monatsweise vergleichbar mit den anderen Ländern entwickelt. Die Frontier-Kurzstudie „Tankstellenpreise in Deutschland im europäischen Vergleich“ im Auftrag des en2x mit Daten vom Mai 2026 wurde jetzt um Daten aus den Monaten Juni bis August erweitert.

Markteingriffe wie in Belgien bringen der Kundschaft keinen Preisvorteil
Die Analyse zeigt auch, dass die Netto-Preise dort, wo der Staat in den Markt eingreift, nicht niedriger sind als hierzulande. Luxemburg und Belgien wiesen im Vergleichszeitraum höhere Nettopreise als Deutschland auf. Beide Länder werden aufgrund ihrer staatlichen „Preisdeckel“ für Kraftstoffe in der politischen Diskussion oft als Vorbild genannt. C. Küchen betont: „Die Diskussion über die Tankstellenpreise wird aktuell nicht auf Basis von Fakten geführt. Der deutsche Kraftstoffmarkt funktioniert auch ohne staatliche Eingriffe.“ Umso wichtiger ist eine Versachlichung der Debatte. „Forderungen nach Preisdeckeln oder einer sogenannten ‚Übergewinnsteuer‘ schrecken Investoren ab und schwächen den Standort.“

Globale Produktmärkte für den Tankstellenpreis relevanter als der Rohölmarkt
Dem Weltmarkt fehlen infolge der Kriegshandlungen im Nahen Osten sowie in Russland und der Ukraine erhebliche Raffineriekapazitäten. Um das dadurch verknappte Angebot an Mineralölprodukten ringen Länder weltweit. Außerdem hat sich die Lage am Persischen Golf zuletzt verschärft. Die gestiegenen Preise für Kraftstoffe sind eine direkte Folge dieser Marktlage. C. Küchen erklärt: „Trotz dieser Krise können unsere Raffinerien den hiesigen Markt und das Ausland bislang zuverlässig beliefern. Sie sind damit eine elementare Säule der Energieversorgung und unverzichtbar für industrielle Wertschöpfung.“ Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten gelte: Investitionen in Standorterhalt, Innovation und Klimaschutz sind Voraussetzung, um Deutschland wirtschaftlich zu stärken – staatliche Markteingriffe bewirken laut dem Verband das Gegenteil.

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