Die Chemie- und Pharmaindustrie investiert weiter Milliardenbeträge am Standort Deutschland. Doch die Investitionsdynamik lässt spürbar nach: Nach einem Höchststand von rund 10 Mrd. Euro im Jahr 2023 fielen die Sachanlageinvestitionen zuletzt auf rund 8,9 Mrd. Euro. Auch der Ausblick nach vorne bleibt verhalten. Die aktuelle VCI-Mitgliederumfrage signalisiert für 2026 einen weiteren Rückgang: So rechnen 45 % der Unternehmen mit fallenden Investitionen in Deutschland. Nur jedes fünfte Unternehmen plant eine Ausweitung. Gegenüber dem Herbst 2025 hat sich die Investitionsstimmung für Deutschland sogar nochmals verschlechtert. Im Ausland zeigt sich dagegen ein deutlich freundlicheres Bild. Dort überwiegen die Unternehmen, die ihre Investitionen erhöhen wollen.
Die Ursachen dieser Entwicklung liegen vor allem am Standort Deutschland: Mehr als 80 % der Unternehmen bezeichnen die hohen Kosten sowie die Energie- und Klimapolitik als die größten Belastungen für Investitionsentscheidungen. Außerdem hemmen eine als wenig verlässlich wahrgenommene Wirtschaftspolitik, ausbleibende Reformen sowie der wachsende Importdruck Investitionen. Die Folgen sind deutlich: 43 % der Unternehmen verlagern Investitionen zumindest teilweise oder sogar deutlich ins Ausland.
Dabei verfügt Deutschland weiter über wichtige Standortvorteile: qualifizierte Fachkräfte, Rechtssicherheit, Infrastruktur und Innovationskraft. Doch diese Stärken werden zunehmend von einem Bürokratieberg, einer Vielzahl an Regulierungen und langwierigen Genehmigungsverfahren überlagert. Die Entwicklung wiegt umso schwerer, weil die Transformation enorme Investitionen erfordert. Ob diese künftig in Deutschland getätigt werden, hängt entscheidend von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ab.
VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup kommentiert: „Die Chemie- und Pharmaindustrie steht zum Standort Deutschland und investiert hier. Doch die Warnsignale sind unübersehbar: Wenn inzwischen fast jedes zweite Unternehmen seine Investitionen in Deutschland zurückfährt und gleichzeitig mehr Kapital ins Ausland fließt, besteht Handlungsbedarf. Wer Wachstum, Beschäftigung und Klimaschutz hier sichern will, muss Kosten senken und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Deutschland hat das Potenzial – jetzt muss daraus wieder ein echter Investitionsstandort werden.“





