Zahl der Insolvenzen im Elektrohandwerk fast verdreifacht

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Daten + Statistiken, Unternehmen
Entwicklung der Insolvenzen im Wirtschaftszweig Elektroinstallation (inkl. Photovoltaik) von 2020 bis 2025.
Foto: GSE Green Solar Energy GmbH

Die deutsche Solarbranche steht unter massivem Druck. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis), Wiesbaden, hat sich die Zahl der eröffneten und Mangels Masse abgewiesenen Insolvenzverfahren im Wirtschaftszweig Elektroinstallation, zu dem auch Photovoltaik-Installationsbetriebe zählen, seit 2022 fast verdreifacht. Während im zweiten Quartal 2022 noch 37 Verfahren registriert wurden, waren es im zweiten Quartal 2025 bereits 110.

Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Solaranlagen für Privatkunden stark eingebrochen. Laut Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen, Bonn, wurden im ersten Halbjahr 2025 nur noch Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 647 MW auf Eigenheim-Dächern installiert, ein Rückgang um 55 % gegenüber dem Vorjahr. Erfasst wurden typische Eigenheim-Anlagen mit einer Nennleistung von drei bis zehn Kilowattpeak.

Zusätzlich wächst das Investitionsrisiko durch neue gesetzliche Vorgaben: Seit dem 25. Februar 2025 gilt im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2023), dass neue Photovoltaikanlagen bei negativen Börsenstrompreisen keine Einspeisevergütung mehr erhalten. Für Betreiber erschwert das die wirtschaftliche Planung erheblich. Weitere Verunsicherung bringt die Debatte um ein mögliches Ende der festen Einspeisevergütung ab 2026. Wirtschafts- und Energieministerin Katharina Reiche (CDU) begründete die Pläne mit den milliardenschweren Kosten der Förderung und dem Umstand, dass Strom häufig in Zeiten eines ohnehin bestehenden Überangebots eingespeist werde. Künftig soll die Förderung stärker system- und marktorientiert ausgestaltet werden.

„Diese politischen Ankündigungen verunsichern private Hausbesitzer und Investoren gleichermaßen. Viele warten jetzt ab“, erklärt Richard Köller, technischer Leiter und Ingenieur der GSE Green Solar Energy GmbH, Nahmitz. „Was die Branche dringend braucht, ist ein dauerhaft verlässliches Rahmenwerk, das es Installationsbetrieben, Betreibern und Hausbesitzern erlaubt, langfristig zu planen. Statt die Dynamik beim Ausbau auszubremsen, müsste die Politik endlich den Netzausbau beschleunigen und klare, verlässliche Leitplanken setzen.“

Die aktuelle Insolvenzwelle zeigt: Die Energiewende scheitert nicht an mangelndem Interesse der Bürger, sondern an einem politischen Zickzackkurs, der Planungssicherheit verhindert.

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