Mit der Inbetriebnahme der zweiten Super E20-Zapfsäule in Deutschland an der Tankstelle der Adolf ROTH GmbH & Co. KG, Gießen, (ROTH Energie) wird nicht nur ein weiterer Schritt in Richtung Defossilisierung des Verkehrssektors sichtbar, sondern auch die Frage nach der nachvollziehbaren Bewertung der tatsächlichen Klimawirkung alternativer Kraftstoffe in den Fokus gerückt.
Aus Sicht der VTA Software & Service GmbH, Gelsenkirchen, ist insbesondere bei Kraftstoffgemischen wie E20 die transparente und belastbare CO2-Nachweisdokumentation entscheidend. Denn der Klimavorteil nachhaltiger Komponenten wird ohne eine durchgängige Datengrundlage entlang der Lieferkette häufig nicht ausreichend sichtbar.
Transparenz als Voraussetzung für Bewertung und Skalierung
Mit dem System CEETRAC dokumentiert die VTA Software CO2-Minderung auf Basis realer Daten und macht diese für Unternehmen nutzbar. Ziel ist es, die Klimafreundlichkeit nachhaltiger Kraftstoffe nicht nur theoretisch herzuleiten, sondern bis hin zur Abgabe an der Zapfsäule konkret nachzuweisen.
Gerade bei E20 zeigt sich die Relevanz dieses Ansatzes besonders deutlich: der erhöhte Anteil erneuerbarer Komponenten kann signifikante CO2-Minderungen bewirken. Ohne eine systematische Erfassung und Zuordnung der Nachweise bleibt der tatsächliche Hebel sowohl für Marktteilnehmer, besonders den Verbraucher, jedoch schwer greifbar.
Klimaneutralität braucht mehrere Wege
Johannes Kuhlmann, Geschäftsführer der VTA Software & Service GmbH, betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung technologieoffener Ansätze: „Klimaneutralität im Verkehr ist nur erreichbar, wenn unterschiedliche Lösungen parallel entwickelt und genutzt werden. Neben der Elektrifizierung spielten nachhaltige Kraftstoffe dabei eine wichtige Rolle, insbesondere bei dem hohen Bestand an Verbrennern auf deutschen Straßen. Das Angebot von E20 und HVO an der Tankstelle in Gießen ist echte Pionierarbeit und ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität. Hier zeigt sich unter realen Bedingungen, wie sich CO2-Emissionen unmittelbar reduzieren lassen, ohne auf neue Antriebstechnologien warten zu müssen.“
Pilotstandort Gießen als Beispiel für integrierte Lösungen
Für die VTA Software hat das Projekt auch eine besondere praktische Bedeutung. Die Zusammenarbeit mit ROTH Energie ermöglicht es, CEETRAC im realen Betrieb einzusetzen und die Klimawirkung nachhaltiger Kraftstoffe konkret sichtbar zu machen. J. Kuhlmann zeigt sich stolz durch diese Zusammenarbeit zeigen zu können wie einfach sich das System der VTA Software integrieren lässt und wie unmittelbar die digitale Nachweisführung funktioniert. Die Möglichkeit, die CO2-Minderung direkt mit den getankten Mengen zu verknüpfen und entsprechend zu dokumentieren, ist ein wichtiger Schritt, um die Rolle solcher Kraftstoffe in der Mobilitätswende besser einordnen zu können.
Bedeutung für Energiewirtschaft und Berichterstattung
Mit Blick auf steigende Anforderungen an Nachhaltigkeitsberichte und regulatorische Nachweise gewinnt die belastbare Quantifizierung von CO2-Vermeidung zunehmend an Bedeutung. Systeme wie CEETRAC können dazu beitragen, die Lücke zwischen physischer Emissionsminderung und deren formaler Anerkennung zu schließen. Das Beispiel in Gießen zeigt, dass alternative Kraftstoffe wie E20 und HVO nicht nur technisch verfügbar sind, sondern ihr Beitrag zur Emissionsreduktion auch transparent gemacht werden kann. Damit entsteht eine wichtige Grundlage, um diesen Hebel in der Transformation des Verkehrssektors stärker zu berücksichtigen.
Das Pilotprojekt
Das Pilotprojekt der ROTH Energie in Gießen wird gemeinsam mit der Volkswagen AG, Wolfsburg, der Autohaus Michel GmbH & Co. KG, Gießen, sowie dem BDBe Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft e. V., Berlin, umgesetzt. Es verdeutlicht die enge Zusammenarbeit zwischen Energieversorgung, Automobilindustrie und regionalem Kfz‑Handel bei der Erprobung alternativer Kraftstoffe im Bestand. Mit der Inbetriebnahme der zweiten Super‑E20‑Zapfsäule in Deutschland schafft das Projekt einen realen Anwendungsrahmen für einen Ottokraftstoff mit erhöhtem Bioethanolanteil, der ohne technische Anpassungen in dafür freigegebenen Fahrzeugen genutzt werden kann.
Im Rahmen eines geschlossenen Praxistests setzt die Autohaus Michel Gruppe mehr als 50 Fahrzeuge im täglichen Betrieb mit E20 ein. Die Fahrzeuge stammen aus dem Bestand des Unternehmens und werden regulär im Service‑ und Außendienst genutzt. Begleitet wird der Test von Volkswagen, das für zahlreiche Modelle seiner Core Group ab Baujahr 2015 entsprechende Freigaben erteilt hat; auch BMW (ab 2019) und Mercedes‑Benz (ab 2020) erlauben die Nutzung von E20.
Das Projekt ist grundsätzlich offen für weitere gewerbliche Demoflotten in einem geschlossenen Nutzerkreis. Ziel ist es, zusätzliche Praxispartner einzubinden und weitere Erfahrungen im realen Betrieb zu sammeln. „Wir möchten gezielt weitere gewerbliche Flotten für das Pilotprojekt gewinnen“, erklärt Kim Backhaus, Marketingleiter der ROTH Energie.
Das Beispiel in Gießen zeigt, wie sich Klimaschutz im Verkehrssektor bereits heute mit dem aktuellen Fahrzeugbestand umsetzen lässt.






