Die Verbio SE, Zörbig, sieht nach einem anspruchsvollen Geschäftsjahr 2024/2025 positive Aufbruchsignale in den Kernmärkten. Auf der Hauptversammlung am 5. Dezember dieses Jahres machte Vorstandsvorsitzender Claus Sauter deutlich, dass die Weichen für eine Markterholung des Biokraftstoffmarktes in Deutschland gestellt sind und die internationalen Rahmenbedingungen zahlreiche Chancen bieten, die die Verbio erschließen möchte. Er betonte: „Mit dem Potenzial unseres internationalen Teams und mit unserer Flexibilität, auf veränderte Marktbedingungen schnell reagieren zu können, nutzen wir konsequent die sich bietenden Wachstumschancen. Diese Entschlossenheit und Souveränität spiegeln sich in unserer positiven Prognose für das Geschäftsjahr 2025/2026 wider.“
Rückkehr in den SDAX
Der Kapitalmarkt nimmt die positiven Signale wahr: Die zum 22. Dezember 2025 wirksam werdende Rückkehr der Verbio-Aktie in den SDAX unterstreicht die Bedeutung des Unternehmens im deutschen Kapitalmarkt.
Geänderte Regulatorik korrigiert Fehlanreize und verbessert Betrugsprävention
Eine zentrale Rolle spielt die bevorstehende Umsetzung der EU-Erneuerbaren-Energie-Richtlinie RED III in Deutschland. Sie soll strukturelle Fehlanreize, die in den letzten zwei Jahren aus Sicht der Verbio zu massiven Marktverwerfungen geführt haben, beseitigen. Dazu gehört die Abschaffung der Doppelanrechnung von fortschrittlichen Biokraftstoffen. Der Referentenentwurf setzt klare Zeichen für mehr Fairness im Biokraftstoffmarkt. Ausländische Auditoren sollen künftig nach deutschem Standard akkreditiert werden. Deutsche Behörden sollen Vor-Ort-Kontrollen außerhalb der EU durchführen können und der Informationsaustausch zwischen nationalen Stellen und EU-Behörden soll verbessert werden, um die Kontrollmöglichkeiten zu erweitern.
Die schrittweise Anhebung der THG-Quote bis 2040 schafft Planungssicherheit für Investitionen.
Die Reform des Vertrauensschutzes im Rahmen der Anpassung der Biokraftstoffnachhaltigkeitsverordnung (BiokraftNachV) stärkt zusätzlich die Betrugsprävention und die Integrität der gesamten Lieferkette.
C. Sauter berichtete auf der vergangenen Hauptversammlung von ersten positiven Marktsignalen: „Bereits die Ankündigung und der Entwurf der RED III haben im Markt erste Wirkung gezeigt. Der THG-Quotenpreis hat sich deutlich erholt – von 65 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2024 auf einen Preis von mehr als 230 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2025. Der europäische Biokraftstoffmarkt stabilisiert sich und kehrt zurück auf einen Pfad, auf dem ehrliche, nachhaltige Leistung wieder einen fairen Preis bekommt.“
Internationale Rahmenbedingungen bieten Wachstumschancen
Der Vorstandsvorsitzende verwies auf entscheidende internationale Entwicklungen, die die globale Nachfrage nach grünen Molekülen für Verkehr und Industrie stärken.
In den USA sorgen der Inflation Reduction Act (IRA) mit Steueranreizen und langfristigen Förderprogrammen für besonders kohlendioxideffiziente Technologien sowie die verbesserten Exportbedingungen für Bioethanol für günstige Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund garantieren der Hochlauf der Verbio Bioraffinerie in Nevada (Iowa) und die Erweiterung des Standorts in South Bend (Indiana) zur kombinierten Bioethanol-Biomethan-Produktion dem Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im nordamerikanischen Markt.
In Asien beflügeln das klare Bekenntnis zu Biokraftstoffen der ersten und zweiten Generation sowie die günstigen Voraussetzungen zur Produktion von Bio-LNG für die internationale Schifffahrt die Dynamik der Märkte. Zugleich zeigen attraktive Förderbedingungen, stärkere industriepolitische Unterstützung und innovative länderübergreifende Kooperationsmodelle, wie Wirtschaftlichkeit und regionale Wertschöpfung zusammengehen können – ein wichtiges Lehrstück für Deutschland und Europa.
C. Sauter unterstrich in seiner Rede, dass die Verbio mit der innovativen Stroh-Biomethan-Anlage im indischen Lehragaga (Punjab) über eine technologische Alleinstellung und ein attraktives Geschäftsmodell verfügt. Dieses Modell ist mit Blick auf die ambitionierten Biogas-Ziele der indischen Regierung und möglichen Kooperationen mit regionalen Marktpartnern bei geringem Kapitaleinsatz skalierbar.
Neue Wertschöpfung durch biobasierte Chemikalien und CO2-Nutzung
Neben dem Biokraftstoffgeschäft baut die Verbio ihre Aktivitäten im Bereich stofflicher Nutzung erneuerbarer biomassebasierter Moleküle gezielt aus. Die chemische Industrie zählt weltweit zu den größten CO2-Emittenten und ist für ihre Dekarbonisierung dringend auf erneuerbaren Kohlenstoff angewiesen. Die Verbio wird diese Nachfrage ab dem zweiten Kalenderhalbjahr 2026 bedienen.
In Bitterfeld entsteht derzeit die weltweit erste großtechnische Ethenolyse-Anlage auf Basis von Rapsmethylester (Biodiesel), die perspektivisch bis zu 60.000 t pro Jahr biobasierte Spezialchemikalien, wie 9-DAME und 1-Decen, herstellen wird. Diese Moleküle können zur Produktion nachhaltiger Hochleistungsschmierstoffe, Reinigungs- und Lösungsmittel sowie Kunststoffe weiterverwendet werden. Ergänzend dazu investiert die Verbio in Ungarn in eine Produktionsanlage für innovative Katalysatoren, die zur Herstellung erneuerbarer Chemikalien bei der Verbio eingesetzt und an externe Kunden vermarktet werden sollen.
Das ist ein Ansatz, den die neue EU-Bioeconomy-Strategie ausdrücklich unterstützt. Die Strategie sieht vor, biologische Materialien gezielt in verschiedenen Wirtschaftszweigen einzusetzen, beispielsweise für die Herstellung von Kunststoffen, Düngemitteln, Baustoffen oder Medizinprodukten.
C. Sauter führte in seiner Rede weiter aus: „Wir haben immer wieder betont, dass unsere Strategie für Wachstum und Stabilität nicht nur auf Internationalisierung, sondern ebenso auf der Diversifikation unseres Produktportfolios basiert. Ziel ist es, mehr aus unserer Biomasse herauszuholen und zusätzliche Umsatzströme zu erschließen – ohne dafür zwingend neue, kapitalintensive Anlagen bauen zu müssen.“
Neben dem Projekt für biobasierte Chemikalien erläuterte er in diesem Zusammenhang auch die Verwertung des CO2 aus den Verbio-Produktionsprozessen als neues Geschäftsfeld. Während sich die Verbio in Nordamerika mit der CO2-Sequestrierung (das heißt. der langfristigen Bindung von CO2 im Boden) befasst, wird das CO2 am deutschen Produktionsstandort in Zörbig vom Geschäftspartner Nippon Gases Deutschland GmbH, Düsseldorf, für die Verwendung in der Lebensmittelindustrie weiterverarbeitet.
Rückblick auf ein anspruchsvolles Geschäftsjahr
Das abgeschlossene Geschäftsjahr 2024/2025 war von niedrigen THG-Quotenpreisen aufgrund der anhaltenden Marktverwerfungen in Deutschland und Europa sowie von technischen Anlaufschwierigkeiten der US-Bioethanolanlage in Nevada geprägt. Dennoch erzielte die Verbio eine erneute Rekordproduktion von mehr als 1,2 Mio. t Biodiesel und Bioethanol sowie 1.190 GWh Biomethan.






