Zum 1. Oktober dieses Jahres hat die Bundesregierung die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für drei Monate gesenkt. Rechnerisch werden die Kraftstoffe damit rund 17 Cent pro Liter billiger. Ob diese Entlastung die Verbraucher erreicht, ist bislang unklar.
Die Abteilung Unternehmen und Märkte im IW Berlin Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V. hat einen Tankrabatt-Monitor entwickelt, um die Preisentwicklung von Benzin und Diesel transparent zu machen. Dazu wird täglich geschätzt, wie viel der Steuersenkung an der Zapfsäule ankommt. Grundlage für die Schätzung sind die Kraftstoffpreise an rund 15.000 Tankstellen in Deutschland und rund 10.000 Tankstellen in Frankreich, wo kein Tankrabatt eingeführt wurde. Wenn die Preise in Deutschland stärker sinken als in Frankreich, lässt sich dieser zusätzliche Preisrückgang dem Tankrabatt zuschreiben. Dadurch kann dessen Wirkung laufend abgeschätzt werden.
Nach der ersten Woche seit Einführung kamen beim Diesel rund 13 Cent und beim Benzin rund 11 Cent der rund 17 Cent bei den Verbraucher an. Dies entspricht lediglich rund zwei Drittel bis drei Viertel der Entlastung. „Es deutet sich an, dass der Tankrabatt erneut nicht in voller Höhe weitergeben wird“, folgert Tomaso Duso, Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte am DIW Berlin. Für eine abschließende Bewertung sei es aber noch zu früh. In den ersten Tagen nach Einführung eines Rabattes schwanken die Preise gewöhnlich stark. Nach Angaben der Tankstellen müssen noch alte Spritbestände verkauft werden, die vor dem Rabatt eingekauft wurden.
Nach zwei Wochen Tankrabatt zeigt sich im DIW-Tankrabatt-Monitor laut T. Duso, dass nur rund zwei Drittel der Preissenkung von 16,7 Cent bei den Verbrauchern ankommen. Außerdem seien seit dem 1. Oktober die Preise in Deutschland im Durchschnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als in Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt.
„Noch deutlicher ist die Entwicklung über die Zeit. In den ersten Tagen sind die Preise um rund 12 Cent stärker gefallen als in Frankreich, beim Diesel um bis zu 13,6 Cent. Die Weitergabe ist über die Zeit kleiner geworden und liegt seit dem 8. Oktober bei durchschnittlich nur noch 9 Cent. Auch beim Tankrabatt im Frühjahr hat die sie mit der Zeit nachgelassen, damals allerdings erst gegen Ende“, sagt der DIW-Experte.
Wie viel genau ankommt, hängt laut T. Duso auch davon ab, welchen Tag vor dem Rabatt man als Referenzpunkt nimmt. Vergleicht man die Entwicklung mit dem 27. September statt mit dem 30. September, liegt die Weitergabe bei über 80 %, da die Preise in Deutschland schon im September stärker gefallen sind als in Frankreich. „An der Entwicklung seit dem 1. Oktober ändert der Vergleichstag aber nichts: Die Weitergabe nimmt ab“, konstatiert T. Duso.
„Die Steuersenkung kommt zuerst bei Raffinerien und Großhändlern an. Ob sie weitergegeben wird, hängt vom Wettbewerb auf dieser Stufe ab. Und dort gibt es deutliche Hinweise, dass der Wettbewerb schwach ist. Das Bundeskartellamt sollte seine Untersuchungen auf der Raffinerie- und Großhandelsstufe konsequent fortführen, denn der dortige mangelnde Wettbewerb ist nicht nur in Zeiten des Tankrabatts ein Problem“, fordert T. Duso abschließend.





