Millionenfach wird täglich getankt, der Zahlungsvorgang hat sich seit Jahrzehnten aber kaum verändert. Das ist mit der PACE Mobility GmbH jetzt anders. Sie zündet den Turbo, und bietet in der Mobilitätsbranche beim Thema Payment und Tankkarten eine ganzheitliche Lösung an. Im Gespräch mit dem eot erklärt Geschäftsführer Julius Parrisius, was hinter dem Anspruch steckt, eine Infrastruktur zu schaffen, die mit der Mobilität mitwächst.
Sie haben sich bei PACE Mobility auf die Mobilitäts- und Tankstellenbranche spezialisiert. Was hat Sie dazu bewogen, genau diesen Fokus zu wählen und was reizt Sie an dieser Branche besonders?
Ich bin vor knapp neun Jahren in diese Branche gekommen und mit ihr gewachsen. Damals habe ich bei PACE Mobility im Business Development angefangen. Ich habe hautnah miterlebt, wie aus einer frühen Idee im Pkw-Telematik-Umfeld und einem Pivot, wie man heute neudeutsch sagt, im Tankstellen-Mobile-Payment-Bereich ein Unternehmen geworden ist, das heute tausende Tankstellen, ein wachsendes Portfolio digitaler Tankkarten und viele Apps und Frontends in ganz Europa vernetzt.
Was mich von Anfang an fasziniert hat: Tanken ist einer der wenigen Zahlungsvorgänge, der im Alltag von Menschen täglich millionenfach stattfindet und sich trotzdem seit Jahrzehnten technologisch kaum verändert hat. Man steigt aus dem Fahrzeug, tankt, geht zur Kasse und bezahlt mit Plastik oder bar – ein gelernter Prozess, der sich ganz gewöhnlich anfühlt. Er überdeckt aber einige große strukturelle Probleme für Tankstellenbetreiber, Tankkartenherausgeber und Flottenkunden gleichermaßen.
Jetzt als Geschäftsführer gemeinsam mit Mike Kasperlik die Verantwortung zu übernehmen, macht das noch greifbarer. Wir kennen das Unternehmen, die Kunden und die Branche und wir wissen genau, wo wir mit PACE Mobility und unserem Team hinwollen.

Die DKV Mobility Gruppe hat im vergangenen Mai 100 % der Geschäftsanteile übernommen. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre strategische Ausrichtung?
Die Übernahme der Geschäftsanteile durch DKV Mobility war für uns kein strategischer Kurswechsel, sondern wirkt wie ein Turbo für unseren bisherigen Weg. PACE Mobility und DKV Mobility teilen dieselbe Überzeugung: Die Mobilitätsbranche und das Thema Payment und Tankkarten befinden sich in einer digitalen Transformation, die sich zunehmend beschleunigt.
PACE bringt die Technologie und die Plattform, DKV Mobility das Netzwerk, die Marktreichweite und langfristige Stabilität. PACE Mobility hat mit knapp 14.000 Tankstellen in 15 Ländern bereits das größte Connected-Fueling-Netzwerk Europas aufgebaut. Die Plattform auszubauen ist ein enormes Investment und es ergibt absolut keinen Sinn, dass jeder Marktteilnehmer das selbst aufbaut.
Was für den Markt am wichtigsten ist: Unsere Strategie als neutrale Mobile-Payment- und Mobility-Plattform bleibt unverändert. Wir agieren operativ vollständig eigenständig – mit klarer Trennung von Daten, Prozessen und Entscheidungswegen. Diese Unabhängigkeit ist kein Zugeständnis, sondern Grundvoraussetzung für das Vertrauen, das eine offene Plattform braucht. PACE gewinnt Investitionskraft und unsere Kunden und Partner profitieren weiterhin von einer offenen Infrastruktur, die stetig besser wird.
Außerdem wurde aus PACE Telematics die PACE Mobility. Was steckt hinter diesem Schritt und hat sich damit auch Ihr Portfolio verändert?
Hinter der Umbenennung steckt mehr als eine Marketingentscheidung, es ist die Konsequenz aus dem, was wir in den vergangenen Jahren gebaut haben und wo wir hinwollen.
Der Name „Ecs“ hat unseren Kern nicht mehr richtig beschrieben. Unser Fokus ist das mobile Bezahlen in der vernetzten Mobilität – und das reicht heute weit über die Zapfsäule hinaus. EV-Charg-ing, Autowäsche, Parken: Das sind Bereiche, die für unsere Kunden und Partner genauso relevant sind. Der Name PACE Mobility gibt uns den Raum, diese ganzheitliche Lösung abzubilden.
Unser Portfolio spiegelt das wider: Mobile Payment für Tankstellen, digitale Tankkarten und Flottenmanagement-Integrationen für B2B-Partner, PACE Drive für Endverbraucher, PACE Drive Business für Flotten und als technologische Klammer die PACE Cloud – unsere Plattform für alle Mobility-Services.
Und genau diese Klammer ist entscheidend. Die Komplexität im Mobilitätssektor explodiert. Wenn ein Partner seinen Kunden heute Tanken, morgen Laden und übermorgen die Autowäsche digital anbieten will – in ganz Europa und am besten auch noch in einem Flottenmanagementsystem integriert – müsste er im Alleingang hunderte Schnittstellen bauen, betreiben und warten. Das ist wirtschaftlich und technologisch für keinen allein darstellbar. Die PACE Cloud löst genau dieses Problem: Wir bündeln diese hochkomplexe, fragmentierte Infrastruktur im Hintergrund. Unsere Partner integrieren sich nur ein einziges Mal in unsere Plattform und haben sofort Zugriff auf das gesamte Ökosystem – skalierbar, sicher und zukunftsfähig. Der Anspruch dahinter ist klar: Wir bauen nicht für jeden neuen Service eine neue Lösung, sondern eine Infrastruktur, die mit der Mobilität mitwächst.
Das Thema Transformation prägt aktuell viele Branchen. Wie ordnen Sie die digitale bzw. virtuelle Tankkarte in diesen Wandel ein? Wie reif ist der deutsche Markt für solche Lösungen?
Die digitale Tankkarte ist kein futuristisches Konzept mehr, sie ist die harte wirtschaftliche Antwort auf Herausforderungen, die Tankkartenanbieter und ihre Kunden seit Jahren haben. Physische Karten sind teuer in Produktion und Logistik, anfällig für Betrug oder Verlust und bieten kaum digitale Mehrwerte. Es ist an der Zeit, das zu ändern.
Der Markt ist dafür absolut bereit. Die Unternehmen, mit denen wir täglich sprechen, suchen aktiv nach Wegen, Kartenlogistik zu vereinfachen, Betrug zu reduzieren und ihren Kunden ein besseres digitales Erlebnis zu bieten. Die Nachfrage ist da.
Und es ist auch klar warum: In der Mobilität ist heute schon vieles digital oder wird es gerade, die Tankkarten müssen mitziehen. Die Transformation ist natürlich, wie so oft, Chance und Risiko zugleich. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Early Adopter haben mit der Digitalisierung die seltene Chance, sich in einem verteilten Markt neue Marktanteile zu sichern und ihre Kunden stärker an sich zu binden. Und klar bedeutet das, den Mut aufzubringen, das laufende Plastikkartengeschäft proaktiv zu verändern. Wenn man das aber nicht selbst tut, aus einer Position der Stärke, dann zwingt einen irgendwann der Wettbewerb dazu und man läuft hinterher.
Genau hier setzen wir an. PACE Mobility hat mit OpenFSC einen offenen Industriestandard etabliert, der heute schon über 50 % der relevanten technischen Infrastruktur-Anbieter an Tankstellen verbindet. Wir bieten verschiedene Integrationsmöglichkeiten für mobile Apps oder in-Car- bzw. in-Truck-Anwendungen, von ready-to-use Whitelabel-Apps bis hin zur Tiefenintegration via API. Das senkt die Einstiegshürde erheblich. Wer heute zögert, riskiert, dass andere die digitalen Kundenschnittstellen nachhaltig besetzen.
Welche konkreten Vorteile entstehen für Tankkartenanbieter durch diese Technologien, insbesondere mit Blick auf Marktanteile, Kundenbindung und Kosten?
Es gibt drei massive Hebel für Tankkartenanbieter.

Erstens Marktanteile: Eine digitale Tankkarte ist sofort verfügbar. Keine Prägung, keine Logistik, keine Lieferzeit. Neue Kunden können in Stunden onboarden statt in Tagen oder gar Wochen. Unsere Erfahrung zeigt zudem, dass immer mehr Fuhrparks digitale Tankkarten zur harten Voraussetzung in Ausschreibungen machen. Fuhrparks, die komplett auf digitale Lösungen umsteigen möchten, um Betrugsprävention, Echtzeit-Kostentransparenz und reduzierte Verwaltungsaufwände zu realisieren, sehen sich gezwungen, das Volumen von reinen Plastikkartenanbietern auf digitale Anbieter umzuziehen. Gleichzeitig lässt sich das bestehende Akzeptanznetzwerk ohne aufwändige Integrationsprojekte schnell für mobiles Bezahlen erweitern.
Zweitens Kundenbindung: Eine digitale Karte ist kein passives Stück Plastik im Portemonnaie. Sie lebt in der App, bietet Echtzeitdaten, Benachrichtigungen und Reports. Das schafft tägliche Touchpoints mit dem Kunden und macht einen Anbieterwechsel deutlich unattraktiver als bei einer physischen Karte.
Drittens Kosten: Card Skimming ist bei einer vollständig digitalen Lösung strukturell ausgeschlossen. Eine digitale Tankkarte geht nicht kaputt oder verloren und kann nicht geklaut werden. Die Tankkartenanbieter sparen sich Produktions- und Logistikkosten und können Kundenservice-Aufwände deutlich senken, zum Beispiel durch Self-Service-Funktionen und eine bessere Datenlage für das eigene Risikomanagement.
Mit smarten Integrationen in Telematik- und Fuhrparkmanagementsysteme adressieren Sie zentrale Herausforderungen von Transportunternehmen. Welche Probleme sehen Sie dort aktuell am deutlichsten? Und wo setzen Ihre Lösungen an?
Die Herausforderungen, die wir bei Transportunternehmen am häufigsten sehen, sind überraschend konstant, unabhängig davon, ob es sich um ein Unternehmen mit fünf oder fünfhundert Fahrzeugen handelt.
An erster Stelle steht Betrug. Card Skimming, Spritklau und missbräuchliche Nutzung physischer Karten sind für viele Flottenmanager ein dauerhaftes Thema. Dahinter steckt ein strukturelles Problem: Die physische Karte ist nicht fest an ein Fahrzeug oder eine Person gebunden, sondern an ein Stück Plastik. Das lässt sich ausnutzen.
Dazu kommt die aufwändige Kartenverwaltung. Abhanden gekommene oder defekte Karten müssen nachbestellt werden, neue Fahrer und Fahrzeuge mit Karten ausgestattet werden – jeder dieser Vorgänge bindet manuelle Ressourcen und bedingt oft Wartezeiten. In Betrieben, die operativ unter Druck stehen, wird das regelmäßig unterschätzt.
Der dritte Punkt ist Kostenintransparenz. Wer wann wo wie viel getankt hat, wird oft erst Tage oder Wochen später mit der Abrechnung klar, zu spät für proaktives Eingreifen. Das klingt nach einem reinen Verwaltungsthema, ist es aber nicht. Ein Spediteur, der Echtzeit-Tankdaten inklusive Preise hat, kann sofort eine auftragsbezogene Nachkalkulation machen – und bei den nächsten Angeboten besser bepreisen. Das heißt: keine Marge verlieren bei unerwarteten Kraftstoffkosten, aber auch aggressiver kalkulieren können, wenn die Datenlage es hergibt. Im Grunde ist das eine Art Versicherung: Wer in Echtzeit weiß, wann, wo und wer getankt hat, hat die volle Kostenkontrolle und erkennt Betrugsfälle sofort –statt erst bei der Monatsabrechnung.
Unsere Lösung setzt an allen drei Punkten an: Durch die Integration in bestehende Telematik- und Fuhrparksysteme via API oder SDK ersetzen wir die physische Karte durch eine digitale Lösung, die direkt im System lebt. Echtzeit-Transaktionsdaten, fahrzeuggebundene Freigabe, automatisierte Reports und das, ohne dass der Flottenmanager ein neues System lernen muss.
Ein enormer Vorteil entsteht aber auch für die Telematik-Anbieter selbst: Sie schließen eine Lücke, die ihre Systeme heute haben und werden vom reinen Datenlieferanten zum Transaktions-Enabler. Diese Lösung können sie ihren Kunden als Zusatzmodul verkaufen und erschließen sich damit ein komplett neues, lukratives Geschäftsfeld.
Mit „PACE Drive Business“ und „DKV InstantFuel“ haben Sie zwei neue B2B-Produkte auf den Markt gebracht. Welchen konkreten Bedarf adressieren diese Lösungen und wie heben sie sich im Markt ab?
PACE Drive Business und DKV InstantFuel adressieren gezielt eine Marktlücke: Kleinere Flotten wie zum Beispiel Handwerksbetriebe, Lieferdienste und Selbstständige, für die klassische Tankkarten zu aufwändig sind oder die aufgrund unzureichender Kredithistorie von Tankkartenanbietern abgelehnt werden. Eine digitale Tanklösung für Flotten, die in wenigen Minuten online beantragt werden kann, sofort einsatzbereit ist und ein leistungsstarkes Web-Dashboard für die Kostenkontrolle bietet, das gab es so bisher nicht. Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte und nach jeder Transaktion landen die Daten und der digitale Beleg beim Unternehmen. Kein Plastik, kein Papierkram, keine Wartezeiten – einfach registrieren, Fahrer einladen und per App los tanken.
PACE Drive Business ist unsere eigene Lösung für genau diese Zielgruppe. DKV InstantFuel ist dasselbe Produkt im Gewand von DKV Mobility. Der entscheidende Punkt für unsere Partner ist jedoch die Technologie dahinter: Wir haben diese Infrastruktur einmal auf der PACE Cloud gebaut. Jeder unserer Connected Fueling Kunden und Tankkartenherausgeber kann exakt diese ausgereifte Plattform-Technologie nutzen, um sein eigenes digitales B2B-Produkt (als White-Label-Lösung) in Rekordzeit an den Markt zu bringen. Wir beweisen, dass das Modell funktioniert, und stellen die Werkzeuge dafür der ganzen Branche bereit.

Welche Rolle spielen Daten und KI bereits heute in Ihren Lösungen und wo sehen Sie hier das größte Potenzial?
Daten und KI sind bei uns keine Zukunftsthemen, sie sind bereits integrierter Teil unserer Infrastruktur. Wir setzen KI heute vor allem in zwei Bereichen ein: Zum einen unterstützt sie uns bei der Erkennung von Unregelmäßigkeiten im Zahlungsverkehr und bei der systematischen Analyse von Fehlerfällen – das erhöht die Sicherheit und Zuverlässigkeit unserer Plattform spürbar. Zum anderen nutzen wir KI-gestützte Werkzeuge in der Softwareentwicklung, um schneller und qualitativ hochwertiger zu arbeiten. Das größte Potenzial sehen wir darin, unseren Partnern durch intelligente Datenauswertung noch bessere Einblicke in ihre Transaktions- und Nutzungsdaten zu geben – immer mit dem Anspruch, Datenschutz und Datensicherheit konsequent mitzudenken.
Wenn Sie persönlich einen Prozess in der Branche sofort durch KI automatisieren könnten, welcher wäre das und warum?
Ganz klar: die Belegverarbeitung und Kostenabrechnung im Flottenalltag. Wer eine Flotte managt, weiß, wie viel manuelle Energie in diesen scheinbar trivialen Prozessen steckt: Belege sammeln, prüfen, in Systeme eintippen. Das ist reine Reibung ohne Mehrwert. KI kann heute von der Belegextraktion bis zur Zuordnung zu Kostenstellen alles übernehmen – schneller und fehlerfrei. Wir arbeiten daran, diese Automatisierung auf unserer Plattform zum Standard zu machen. Denn wenn ein Flottenmanager heute noch Stunden mit Tankquittungen verbringt, haben wir als Branche unsere Hausaufgaben noch nicht gemacht.
Aber es gibt noch einen zweiten Bereich, der mich mindestens genauso reizt: intelligente, kontextbasierte Kampagnen an der Tankstelle. Stellen Sie sich vor, ein Fahrer nähert sich einer Station und bekommt genau in dem Moment ein Angebot, das wirklich passt – ein heißer Kaffee am kalten Novembermorgen, ein Snack-Deal zur Mittagszeit, eine Aktion, die zur Zielgruppe und zur Situation passt. Keine Gießkanne, sondern Relevanz: gesteuert nach Standort, Uhrzeit, Wetter, Nutzerverhalten. Das ist für mich die eigentliche Fantasy – wenn KI nicht nur Prozesse verschlankt, sondern am Point of Sale echten Mehrwert erzeugt, für den Fahrer und für den Tankstellenbetreiber.





