Im Interview mit Gudrun Theuerer – Erst die Basis, dann die Intelligenz: MINOVA über den richtigen KI-Ansatz

Gesch. Lesedauer: 8 Minuten
Allgemein, Digitalisierung & KI, Interviews
Gudrun Theuerer, geschäftsführende Gesellschafterin der MINOVA Information Services GmbH, sprach im eot special über Digitalisierung, Spezialisierung und KI in der Energie- und Logistikbranche. Kontakt: theuerer@minova.aero
Foto: MINOVA

Die MINOVA setzt als Softwareanbieter auf Branchenkenntnis und technologische Kompetenz. Das Unternehmen aus Würzburg will Prozesse sinnvoll strukturieren, Schnittstellen verbinden und Lösungen so aufbauen, dass sie im Alltag tragen. Klare Daten, klare Abläufe – im eot-Interview erklärt Geschäftsführerin Gudrun Theuerer worauf es ankommt und warum künstliche Intelligenz allein nicht die Lösung für gelingende Projekte ist.

Sie sind als Softwareanbieter in der Energie- und Mineralöl-Logistik aktiv. Warum braucht diese Branche einen hoch spezialisierten Anbieter für diese Nische?
Weil diese Branche sehr besondere Anforderungen hat. Es geht um Prozesse, die eng miteinander verzahnt sind, klaren Regularien unterliegen und im Alltag zuverlässig funktionieren müssen. Tanklager, Disposition und Betankung besitzen trotz vieler Standards oft auch noch eigene Regeln und Abläufe. Für Unternehmen ist genau das der Punkt, an dem Standardsoftware dann an ihre Grenzen stößt.

Die Erfahrung zeigt: Je spezieller die Prozesse, desto wichtiger ist eine Lösung, die die Branche wirklich versteht. Ein spezialisierter Anbieter kann nicht nur Software liefern, sondern auch die fachlichen Abläufe, die regulatorischen Vorgaben und die praktischen Abhängigkeiten berücksichtigen. Für Unternehmen ist das wichtig, weil Digitalisierung sonst leicht nur neue Komplexität schafft, statt echte Entlastung.

Welchen zentralen Herausforderungen sehen sich Ihre Kundinnen und Kunden ausgesetzt und inwieweit zahlen Ihre Produkte und Lösungen konkret darauf ein?
Viele Unternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Prozesse trotz wachsender Anforderungen weiterhin zuverlässig und effizient zu steuern. Dabei geht es oft weniger um fehlende Datenstrukturen als um die Frage, wie verschiedene Systeme sinnvoll miteinander verbunden und Informationen im Alltag nutzbar gemacht werden können.

Genau dabei unterstützen wir: Wir analysieren die Prozesse, verbessern den Datenaustausch, verbinden die Systeme und helfen, die Abläufe dort zu optimieren, wo es praktisch und sinnvoll ist. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Beratung, Integration und der gezielten Unterstützung bestehender Prozesse. Wir wollen langfristige Partner unserer Kunden sein.

Digitalisierung ist der Kern Ihrer Systeme, um Prozesse digital abzubilden und zu steuern. Inwieweit nutzen Sie dabei KI-gestützte Funktionen – und ist KI für Sie eher ein Add-on oder bereits ein zentraler Bestandteil Ihrer Produkte?
KI ist bei uns kein Fremdkörper und auch kein bloßes Schlagwort. Wir sehen in Kundenprojekten konkrete Anwendungsfälle.

Besonders sinnvoll ist KI dort, wo sie Routinearbeit reduziert, Informationen schneller zugänglich macht oder Entscheidungen vorbereitet. Das kann die Auswertung von Betriebsdaten sein, die Unterstützung bei Planung von Vorgängen oder die Vorbereitung wiederkehrender Entscheidungen. Für Unternehmen ist der praktische Nutzen entscheidend: Spart die Lösung Zeit? Hilft sie bei der Orientierung? Reduziert sie Fehler?

KI ist deshalb für uns kein Selbstzweck, sondern ganz klar ein Werkzeug. Sie ist heute schon ein wichtiger Teil unserer Entwicklung, aber immer eingebettet in Digitalisierung, Prozessverständnis und eine sichere Architektur. Die wichtigste Regel dabei lautet: Erst muss der Prozess sauber digital abgebildet sein, dann kann KI sinnvoll darauf aufbauen.

Mit der neuen Benutzeroberfläche von MINOVA NextGen haben die Nutzer ihre Daten immer sekundengenau im Blick. (Foto: MINOVA)

Ihr Produkt Free Tables bietet breite Einsatzmöglichkeiten und macht Daten für andere Module und Anwendungen verfügbar. Inwieweit betten Sie in dieses Produkt KI ein?
Free Tables ist vor allem ein Baustein, um die Basis für weitere digitale und spätere KI-gestützte Schritte zu schaffen. Solche Projekte gelingen nicht schnell und auch nicht allein durch Technik. Sie brauchen gute Daten, klare Abläufe und die Mitarbeit aller Beteiligten.

Genau das unterstützt Free Tables: Daten werden strukturiert, zugänglich und für andere Anwendungen weiterverwendbar. Für Unternehmen ist das wichtig, weil daraus erst die Grundlage für weitere digitale Verbesserungen entsteht. Wenn Informationen aus verschiedenen Quellen sinnvoll zusammengeführt werden, lassen sich Prozesse verlässlicher steuern und später auch intelligente Anwendungen darauf aufbauen.

Können Sie ein Projekt beschreiben, das Ihre KI-Strategie besonders gut widerspiegelt?
Ein gutes Beispiel sind Projekte, bei denen KI ganz konkret dabei hilft, bestehende Lücken oder manuelle Arbeitsschritte zu überbrücken. Aktuell arbeiten wir etwa mit einem Kunden daran, wie sich eine fehlende digitale Schnittstelle mit Unterstützung von KI sinnvoll ersetzen lässt.

Das zeigt gut, worauf es uns ankommt: KI soll in der täglichen Arbeit helfen, nicht zusätzliche Komplexität schaffen. Entscheidend ist deshalb immer, ob ein Anwendungsfall am Ende wirklich einen spürbaren Nutzen bringt.

Was ist MINOVA NextGen?
MINOVA NextGen ist unsere Antwort auf veränderte Kundenanforderungen und die nächste Entwicklungsstufe unserer Produkte. Unsere Kunden wünschen sich heute stärker Cloud-Lösungen, Web-basierte Benutzeroberflächen, SaaS und Software, die robust, einfach und gleichzeitig modern bedienbar ist. Gleichzeitig sollen die Systeme aber auch mehr Ordnung bei weniger Komplexität bieten.

Für Unternehmen ist das ein nachvollziehbarer Wunsch: Sie wollen keine unnötig komplizierten Lösungen, sondern Systeme, die Stabilität und Agilität miteinander verbinden. Genau darauf zielt MINOVA NextGen ab. Unser Ansatz ist bewusst pragmatisch: nicht bei null anfangen, sondern Verbesserungen schaffen, die zeitnah helfen.

Wichtig ist uns dabei, dass der Weg dorthin in sinnvollen Schritten erfolgt. Eine gute Modernisierung sollte im Betrieb entlasten, nicht ausbremsen. Deshalb setzen wir lieber auf realistische Zwischenlösungen, die schnell Nutzen bringen, statt auf ein großes Konzept, das erst mit dem Abschluss auch zur Verfügung steht.

Was bedeutet das technisch für Ihre Bestandskunden?
Wir modernisieren unsere Systeme und deren Komponenten Schritt für Schritt. Der praktische Vorteil für unsere Kunden ist klar: Sie können in die nächste Generation übergehen, ohne alles neu aufsetzen zu müssen. Das reduziert Risiken und erleichtert die Einführung. Für viele Kunden ist das die entscheidende Frage bei Modernisierungsvorhaben: Wie komme ich weiter, ohne mein funktionierendes System zu gefährden? Genau darauf zielt dieser Ansatz.

Welche Rolle spielt das neue Web-Interface?
Eine sehr zentrale. Wir entwickeln ein neues Web-Interface für unsere Systeme wie AFIS, TTA, DISPO und SIS, damit sie moderner, klarer und flexibler nutzbar werden. Dabei geht es nicht nur um eine schönere Oberfläche, sondern vor allem um bessere Bedienbarkeit im Alltag.

Für Nutzer heißt das: leichterer Einstieg, einfachere Nutzung, mehr Transparenz und ein zeitgemäßer Zugriff auf Funktionen. Solche Verbesserungen sind oft größer, als sie auf den ersten Blick wirken, denn sie sind im Tagesgeschäft sehr wertvoll. Eine gute Bedienbarkeit spart Zeit, reduziert Fehler und erleichtert die Einarbeitung.

Hinzu kommt ein modulares Aufbauprinzip, mit dem neue Masken, Wizards oder Portale separat entwickelt und später sauber integriert werden können. Das schafft Geschwindigkeit, ohne das Kernsystem zu belasten. Für Unternehmen ist das ein wichtiger Vorteil, weil neue Anforderungen so flexibler aufgenommen werden können.

Auf der InterAirport 2025 konnten Interessierte testen, wie die MINOVA die Datenkommunikation zwischen Tankwagen und Flugzeug löst und welche Nutzervorteile dadurch entstehen. (Foto: MINOVA)

Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren im Bereich Digitalisierung und KI?
Wir erwarten vor allem drei Dinge: mehr Integration, mehr Automatisierung und mehr Unterstützung in der täglichen Arbeit. Unternehmen werden ihre Prozesse stärker miteinander vernetzen, Daten besser zusammenführen und intelligente Hilfen in operative Abläufe integrieren. Gleichzeitig wird das Thema Sicherheit noch wichtiger werden.

KI wird aus unserer Sicht die klassischen Systeme nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Besonders stark ist sie dort, wo sie Informationen schneller einordnet, Muster erkennt oder Entscheidungen vorbereitet. Der Mensch bleibt dabei aber klar die In-stanz, die den Gesamtzusammenhang bewertet und Verantwortung übernimmt. Für Unternehmen bedeutet das: KI darf nicht als Ersatz für fachliche Kompetenz verstanden werden, sondern als Unterstützung. Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo Erfahrung der Menschen, gute Daten und intelligente Werkzeuge zusammenkommen.

Sie betreuen Kunden aus kritischen Infrastrukturen und legen daher besonderen Wert auf die Sicherheit Ihrer IT-Infrastruktur. Was bedeutet das konkret für Ihre Systeme und Prozesse?
Sicherheit ist für uns kein Nebenschauplatz, sondern ein fester Bestandteil der Architektur. Wir müssen Dinge wie Berechtigungen, Segmentierung, Dokumentation und Zugriffsschutz von Anfang an mitdenken. Gerade in kritischen Infrastrukturen ist das unverzichtbar. Das gilt auch für den KI-Einsatz. KI darf dort kein Black-Box-System sein. Jede Lösung muss nachvollziehbar, kontrollierbar und in bestehende Sicherheits- und Compliance-Strukturen integrierbar sein.

MINOVA ist Stifter des Cybersecurity-Zentrums TTZ-WUE an der THWS. Wie kam es dazu?
Das war für uns ein logischer Schritt aus unserer Verantwortung als Branchenunternehmen. Wir bewegen uns in einem Bereich, in dem IT-Sicherheit, Resilienz und verlässliche digitale Infrastrukturen zentrale Themen sind. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit Forschung und Ausbildung sehr wertvoll.

Für uns ist das auch kein reines Sponsoring-Thema, sondern ein Austausch auf Augenhöhe. Wir bringen unsere Erfahrung und unser Praxiswissen in die Forschung ein und bekommen gleichzeitig Einblicke und Informationen zu den aktuellen Entwicklungen. Davon profitieren beide Seiten.
Unser Motto ist: Wer Sicherheit ernst nimmt, sollte nicht nur intern investieren, sondern auch den Austausch mit Forschung und Fachwelt suchen.

Europa ist Ihr wichtigster Markt. Was zeichnet diesen Markt für mittelständische Unternehmen aus und wie gehen Sie mit Herausforderungen wie Bürokratie im Zuge der Internationalisierung um?
Europa ist anspruchsvoll, vielfältig und stark reguliert. Genau das macht den Markt für spezialisierte Anbieter wie uns interessant. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir nicht nur gute Produkte anbieten, sondern auch ein gutes Verständnis für lokale Anforderungen, rechtliche Rahmenbedingungen und branchenspezifische Unterschiede mitbringen.

Für mittelständische Unternehmen wie die MINOVA ist das einerseits eine Herausforderung, andererseits aber auch eine Chance. Wer nah an den Kunden arbeitet und ihre Realität versteht, kann sich in diesem Umfeld sehr gut positionieren.

Wichtig im internationalen Umfeld sind aber auch Partner vor Ort, die die Kultur und lokalen Besonderheiten verstehen.

In diesem Jahr feiert die MINOVA ihr 25-jähriges Bestehen. Zugleich ist der Name MINOVA seit über 35 Jahren für Softwarelösungen in der Mineralölbranche bekannt. Wie passt das zusammen?
Das passt sehr gut zusammen. Die 25 Jahre beziehen sich auf die heutige Unternehmensform, während der Name MINOVA in der Branche schon viel länger für Softwarelösungen steht. Diese Kontinuität ist für uns wichtig, weil sie zeigt, dass wir auf einer langen fachlichen Entwicklung aufbauen.

Für Kunden ist Kontinuität ein großer Wert. In einem Markt, der stark von Verlässlichkeit geprägt ist, ist das oft wichtiger als schnelle Effekte. Wer über viele Jahre in derselben Branche arbeitet, kennt die typischen Herausforderungen und kann Entwicklungen besser einordnen. Das ist ein Vorteil, wenn es darum geht, neue Themen wie Digitalisierung und KI realistisch anzugehen.

Wie hat sich die Branche in dieser Zeit verändert und welche Rolle spielt Ihr Unternehmen heute darin?
Die Branche ist digitaler geworden, aber der Wandel verläuft eher schrittweise als mit großen Sprüngen. In vielen Projekten stehen zunächst die technischen oder operativen Themen im Vordergrund. Die Software, über die am Ende alles zusammenlaufen soll, wird dabei nicht immer von Anfang an mitgedacht. Genau dort wird der Aufwand häufig unterschätzt.

Unterzeichnung der Stifter-Vereinbarung für das Cyber-Security-Zentrum: MINOVA-Geschäftsführerin Gudrun Theuerer sieht die Zusammenarbeit als Austausch auf Augenhöhe. (Foto: MINOVA)

Für Softwareanbieter bedeutet das, dass sie heute mehr leisten müssen als nur ein System bereitzustellen. Es geht darum, technische Anforderungen, fachliche Abläufe und die praktische Umsetzung so zusammenzubringen, dass am Ende ein funktionierender Gesamtprozess entsteht. Dafür braucht es nicht nur Software, sondern auch Beratung und ein gutes Verständnis für die Abläufe beim Kunden.

Unsere Rolle sehen wir deshalb darin, Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Prozesse sinnvoll zu strukturieren, Schnittstellen zu verbinden und Lösungen so aufzubauen, dass sie im Alltag tragen.

Wenn Sie auf die letzten Jahre zurückblicken: Welche Entscheidung im Kontext Digitalisierung oder KI würden Sie heute genauso wieder treffen und warum?
Ganz klar: früh auf Spezialisierung und Integrationsfähigkeit setzen. Das war aus unserer Sicht die richtige Entscheidung. In einer komplexen Branche braucht es Lösungen, die sich in bestehende Umgebungen einfügen und Schnittstellen bieten, statt alles neu zu erfinden.

Auch bei KI würden wir denselben Weg wieder gehen: zuerst verstehen, wo der konkrete Nutzen liegt, dann sauber auf das erste Projekt fokussieren und erst danach skalieren.

Was ich persönlich über die Jahre gelernt habe, ist: Nicht jeder Trend muss sofort umgesetzt werden. Entscheidend ist, die richtigen Anwendungsfälle zu finden und dann konsequent und sauber vorzugehen.

Welchen Aspekten der KI-Entwicklung begegnen Sie persönlich mit besonders viel Neugier – und wo sind Sie eher skeptisch?
Neugierig bin ich überall dort, wo KI echte Entlastung schafft, Informationen schneller verständlich macht und Fachleute bei Entscheidungen unterstützt. Gerade in technischen und operativen Umfeldern sehe ich da großes Potenzial.

Skeptisch bin ich immer dann, wenn KI zu schnell als Lösung für alles dargestellt wird. Nicht jeder Prozess ist heute schon KI-reif, nicht jede Datenbasis ist gut genug und nicht jede Automatisierung ist sinnvoll.

Für mich ist klar: KI ist ein sehr mächtiges Werkzeug – aber man muss es auch beherrschen. Und weil sich dieses Feld so schnell entwickelt, ist es wichtig, kontinuierlich dranzubleiben und die Entwicklungen aufmerksam zu beobachten. Genau deshalb bilden wir uns bei MINOVA in diesem Bereich laufend weiter und arbeiten dabei sowohl mit internen als auch mit externen KI-Expertinnen und -Experten zusammen.

Am Ende gilt vor allem eines: Gute KI-Ergebnisse brauchen eine gute Vorbereitung, gute Eingangsdaten, ein gutes „Prompten“. Wenn die Basis nicht stimmt, kann auch das Ergebnis nicht gut werden. Das ist einer der wichtigsten Grundsätze, den Unternehmen bei KI immer im Blick behalten sollten.

Was ist Ihre Botschaft an die Branche?
Digitalisierung und KI werden in der Mineralöl- und Logistikbranche weiter an Bedeutung gewinnen. Entscheidend ist dabei, nicht auf schnelle Scheinerfolge zu setzen, sondern Lösungen zu schaffen, die sicher, sinnvoll und wirtschaftlich tragfähig sind.

Dafür braucht es Branchenkenntnis, technologische Kompetenz und die Bereitschaft, neue Wege kontrolliert zu gehen. KI entfaltet ihren Nutzen nur dort, wo gute Daten, klare Abläufe und menschliches Urteil zusammenkommen. Genau dort sehen wir die Rolle von MINOVA.

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