Forsa-Studie: Deutsche Industrie investiert – doch neuer Produktionsaufbau bleibt aus

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Forschung & Entwicklung, Unternehmen
Christian Säuberlich von der FTI-Andersch erklärt: „Studie zeigt, dass größere Unternehmen bei Personalabbau, Kapazitätsreduzierung, Verlagerung und Restrukturierung deutlich häufiger aktiv sind als kleinere.“
Foto: FTI-Andersch AG

Die produzierende Industrie investiert weiter am Standort Deutschland: 61 % der vom Meinungsforschungsinstitut Forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH, Berlin, befragten Unternehmen haben in den letzten 18 Monaten bestehende Produktionskapazitäten erweitert oder planen dies konkret binnen eines Jahres. Einen Neuaufbau von Produktion hat jedoch mehr als die Hälfte (55 %) in dieser Frist nicht geplant. Jeweils nahezu jedes dritte Unternehmen ab 100 Mio. Euro Umsatz hat Kapazitäten am Standort reduziert, Standorte geschlossen oder Produktionsschritte in andere Länder verlagert beziehungsweise dies beschlossen. Das ist das Ergebnis der Untersuchung „German Economic Pulse 2026“, durchgeführt von der Forsa im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch AG, Frankfurt.

Standortunabhängig haben 67 % der produzierenden deutschen Unternehmen angegeben, seit Anfang 2025 in den Ausbau von Produktionskapazitäten investiert oder dies für die kommenden zwölf Monate beschlossen zu haben. Im Maschinen- und Anlagenbau sind es sogar 76 %. Auf Deutschland bezogen haben 32 % bestehende Produktionskapazitäten erweitert, weitere 29 % haben dies konkret geplant. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 65 % eine gleichbleibende Geschäftslage, 26 Prozent eine Verbesserung, davon 6 % eine deutliche. 9 % rechnen mit einer Verschlechterung.

Zu den weiteren häufigsten Investitionsfeldern der befragten Unternehmen zählen eigene Energieerzeugung oder Energieeffizienz (59 %), die Absicherung oder Regionalisierung der Lieferkette (55 %), KI-Anwendungen in der Produktion (46 %) sowie Automatisierung und Robotik (43 %, bei Unternehmen mit mehr als 100 Mio. Euro Jahresumsatz sind es 70 %). Ein Viertel der Unternehmen (25 %) hat sich mit Zertifizierungen, Anlagen oder Personal auf Aufträge aus dem Verteidigungsbereich vorbereitet.

„Die Mehrheit der deutschen Unternehmen investiert“, sagt Christian Säuberlich, Sprecher des Vorstands der FTI-Andersch und Country Leader von FTI Consulting in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH). „Allerdings zeigen die Forsa-Zahlen auch, dass ein Drittel nicht in den Ausbau von Produktionskapazitäten investiert. Die Mehrheit rechnet nicht mit einer besseren Geschäftslage im kommenden Jahr.“

Jedes fünfte Unternehmen reduziert Kapazitäten in Deutschland
Gänzlich neue Produktionskapazitäten in Deutschland haben 55 % weder aufgebaut noch geplant, im Maschinen- und Anlagenbau sind dies sogar 57 %. Dort planen auch 44 % keine Erweiterung bestehender Kapazitäten.

Zugleich hat jedes fünfte Unternehmen (21 %) Produktionskapazitäten in Deutschland reduziert oder dies beschlossen, in der energieintensiven Industrie ist es jedes dritte (33 %). Bei größeren Unternehmen ab 100 Mio. Euro Jahresumsatz liegt der Anteil bei 31 %, bei kleineren Unternehmen unter 50 Mio. Euro bei 18 %. Ganze Produktionsstandorte in Deutschland haben 11 % geschlossen oder deren Schließung beschlossen. Bei den größeren Unternehmen sind es 30 %, in der energieintensiven Industrie 15 %.

„Über die Standortbedingungen wird seit Jahren diskutiert“, sagt C. Säuberlich. „Die Forsa-Zahlen verdeutlichen, dass viele Unternehmen handeln oder bereits gehandelt haben: Wo sich ein Werk auch perspektivisch nicht mehr rechnet, wird Kapazität abgebaut, verlagert, verkauft oder der Standort geschlossen.“

Kostenvorteile sind entscheidender als Bürokratie und Infrastruktur
Insgesamt haben 17 % der Unternehmen seit Januar 2025 Produktionsschritte, ursprünglich in Deutschland geplante Investitionen oder zentrale Funktionen ins Ausland verlagert oder dies beschlossen. Bei größeren Unternehmen sind es 39 %. 31 % haben einzelne Produktionsschritte oder Produktlinien ins Ausland verlagert oder dies beschlossen. Mindestens eine dieser Auslandsaktivitäten haben in der energieintensiven Industrie 20 % umgesetzt oder beschlossen, bei den Automobilzulieferern 16 %, im Maschinen- und Anlagenbau 11 %.

Unter den Unternehmen mit Verlagerungsaktivitäten haben 48 % in Asien (ohne China) investiert oder wollen dies tun, beispielsweise in Indien oder Südostasien, 44 % in Osteuropa, 41 % in China und 21 % in den USA (Mehrfachnennungen möglich). Als Einfluss auf die Entscheidung, Investitionen von Deutschland ins Ausland zu verlagern, nennen 83 % dieser Unternehmen Kostenvorteile bei Energie und Löhnen als groß oder sehr groß. Es folgen eine bessere wirtschaftliche Perspektive im Zielland (63 %), Förderungen oder Subventionen (44 %) und Steuervorteile (42 %). Weniger Bürokratie und schnellere Verwaltungsprozesse haben für 31 % großen oder sehr großen Einfluss, eine bessere Infrastruktur für 13 %.

„Die Verlagerung einzelner Produktlinien oder Bereiche ist noch kein Abschied vom Standort“, erklärt C. Säuberlich. „Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen wollen nach wie vor in Deutschland präsent sein. Die betriebswirtschaftliche Lage hat vielfach zu einer deutlich stärkeren regionalen Diversifikation geführt. Und sie ermöglicht bei einer Verschlechterung hiesiger Standortbedingungen, weitere Bereiche nachzuziehen. Viele Unternehmen haben damit ihre Abhängigkeiten gesenkt.“

Kleinere Unternehmen erwarten mehr Personal, größere bauen häufiger ab und restrukturieren
Bis Mitte 2027 erwarten 30 % der Unternehmen mehr Beschäftigte in ihren Betrieben in Deutschland, 51 % eine gleichbleibende Zahl. Der Aufbau findet vor allem bei Unternehmen mit weniger als 50 Mio. Euro Umsatz statt: 37 % von ihnen rechnen mit zusätzlichem Personal, bei größeren Unternehmen ab 100 Mio. Euro Umsatz sind es nur 9 %. Insgesamt 19 % aller befragten Unternehmen rechnen dagegen mit einem Abbau, bei größeren Unternehmen sind es 34 %. Das habe laut C. Säuberlich auch damit zu tun, dass wir bei den Unternehmen mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz deutlich häufiger Investitionen in künstliche Intelligenz sowie Automatisierung und Robotik sehen. „Viele haben in den letzten Jahren zudem Arbeitskräfte aufgrund des Fachkräftemangels nicht freigesetzt, obwohl diese nicht ausgelastet waren. Das führt jetzt zu einem deutlich geringeren Bedarf an neuem Personal.“

Parallel haben 42 % der größeren Unternehmen ein Restrukturierungsprogramm gestartet oder konkret geplant, bei kleineren Unternehmen 9 %. Insgesamt 24 % der größeren Unternehmen kaufen Unternehmen oder Unternehmensteile zu, 21 % verkaufen Geschäfts- oder Produktbereiche, 20 % schichten Kapital in wachstumsstärkere Geschäftsfelder um. Zwei von drei größeren Unternehmen (64 %) setzen mindestens eine dieser Umbaumaßnahmen um oder planen sie, bei kleineren Unternehmen jedes dritte (34 %).

„Die Studie zeigt, dass größere Unternehmen bei Personalabbau, Kapazitätsreduzierung, Verlagerung und Restrukturierung deutlich häufiger aktiv sind als kleinere“, verdeutlicht C. Säuberlich. „Wer Wachstum plant, tut das nach unserer Beobachtung häufig in Bereichen mit staatlich getriebener Nachfrage, unter anderem Verteidigung.“

Über den „German Economic Pulse 2026“
Für den „German Economic Pulse 2026“ hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Unternehmensberatung FTI-Andersch im Sommer 2026 insgesamt 151 Führungskräfte deutscher Industrieunternehmen telefonisch befragt: 37 Unternehmen aus der Automobilindustrie, 51 Maschinen- und Anlagenbauer sowie 63 Unternehmen der Branchen Chemie, Papier, Keramik und Metall (Energieintensive Industrie).

Die Ergebnisse können als repräsentativ für Unternehmen der Branchen Automotive, Maschinen- und Anlagenbau sowie Energieintensive Industrie (Chemie, Papier, Keramik und Metall) ab 10 Mio. Euro Jahresumsatz angesehen werden. Als größere Unternehmen geltem in der Studie Unternehmen ab 100 Mio. Euro Jahresumsatz, als kleinere Unternehmen solche mit 10 Mio. Euro bis unter 50 Mio. Euro Jahresumsatz.

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