DBU fordert: Artenschutzprüfung bei Windenergieausbau unterstützen

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Forschung & Entwicklung
Beschleunigung des Windenergieausbaus: Die Habitatmodellierung ermöglicht laut DBU angemessenen Artenschutz und zugleich effiziente Planung.
Foto: Wilhelm Irsch/piclease

Um einen beschleunigten Windenergieausbau mit den Biodiversitätszielen zu vereinbaren, müssen geeignete Flächen schnell ermittelt werden. Dazu hat das Fachgebiet Umweltprüfung und Umweltplanung der Technischen Universität (TU) Berlin mit Förderung der DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück, den neuen planerischen Ansatz der „Schwerpunkträume“ auf Tauglichkeit geprüft. Im Mittelpunkt stehen geschützte Arten wie etwa der Rotmilan.

Herausforderungen für den beschleunigten Ausbau der Windenergie
Die Flächenbereitstellung ist eine der größten Herausforderungen für den beschleunigten Ausbau der Windenergie. Eine Aufgabe: Gebiete identifizieren, die den Artenschutz nicht konterkarieren. Laut Prof. Dr. Johann Köppel von der TU Berlin wird derzeit der Artenschutz bei der Windenergieplanung vor allem über Schutzabstände zu Brut- und Lebensräumen windenergiesensibler Arten berücksichtigt. Gemeint sind Arten, die einem erhöhten Kollisionsrisiko an Windenergieanlagen ausgesetzt sind. Rot- und Schwarzmilane sowie Fischadler gehören dazu, erklärt J. Köppel. Problematisch ist, dass nicht überall sicher nachgewiesen werden kann wo genau diese Arten vorkommen und rechtssichere Untersuchungen Zeit brauchen. Die Methode der Habitatmodellierung verringert den Aufwand und ermöglicht dennoch eine angemessene Würdigung des Artenschutzes auf der Planungsebene, erklärt Dr. Volker Wachendörfer, DBU-Fachreferent für Naturschutz. Der Ansatz der Habitatmodellierung zum Ermitteln sogenannter Schwerpunkträume für Windenergie wurde im Projekt näher untersucht.

„Schwerpunkträume“ erleichtern Artenschutz auf der Planungsebene
Das Projektteam aus Vertreter verschiedener Institutionen, darunter die ARSU Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung, Oldenburg, die Universität für Bodenkultur, Wien, und die FA Wind Fachagentur Windenergie an Land, Berlin, hat die Potenziale der Habitatmodellierung zur Identifizierung von Vorkommen windenergiesensibler Vogelarten genauer untersucht. Prof. Dr. Gesa Geißler von der TU Berlin erklärt, dass gemäß den Vorgaben der Bundesregierung bis 2032 2 % der Landesfläche für die Windenergienutzung ausgewiesen werden müssen. Daher arbeiten viele Regionen derzeit an der Aufstellung neuer Regionalpläne, um diese Ziele umzusetzen. Um dabei einen effektiven Artenschutz zu gewährleisten, können sogenannte Dichtezentren beziehungsweise Schwerpunkträume genutzt werden, ergänzt G. Geißler. Das Konzept der Schwerpunkträume wird beispielsweise bei der derzeit laufenden Flächenausweisung in der Regionalplanung in Baden-Württemberg in der Praxis schon genutzt.

Satellitengestützte Erdbeobachtung kann der Planung helfen
Durch die Habitatmodellierung lässt sich G. Geißler zufolge besser einschätzen, wo windenergiesensible Arten vorkommen und entsprechende Schwerpunkträume liegen. Selbst dann, wenn es keine detaillierten oder zu wenig systematisch erhobene Daten aus dem Vogelmonitoring gibt. Viele windenergiesensible Arten sind an Habitate, also bestimmte Lebensräume, gebunden oder bevorzugen diese. Der Rotmilan etwa braucht laut G. Geißler offene, strukturreiche Landschaften.Dieses Wissen zu nutzen hat nach ihren Worten einen klaren Vorteil: Angaben über Lebensraumtypen liegen einerseits flächendeckend vor und können andererseits über frei verfügbare Daten aus der satellitengestützten Erdbeobachtung des europäischen Copernicus-Programms gut ergänzt werden. Laut Tim Steinkamp von der ARSU lassen sich Schwerpunkträume sowohl für einzelne als auch für mehrere windenergiesensible Arten definieren, wenn man die Daten zum Artenvorkommen und zum betreffenden Lebensraum über die Habitatmodellierung zusammenfügt. Die Ergebnisse der Modellierung zeigen ausreichende bis sehr gute Resultate – selbst bei begrenzten Daten, ergänzt Dr. Marc Reichenbach, Geschäftsführer der ARSU.

Gebiete mit geringem Konfliktpotenzial identifizieren
Im Projekt wurde weiterhin untersucht und diskutiert, welche Auswirkungen die Anwendung der Habitatmodellierung und Berücksichtigung von Schwerpunkträumen in der regionalen Planung mit sich bringt. Unter die Lupe genommen wurden dabei Praxistauglichkeit ebenso wie Rechtssicherheit. Fehlen durfte außerdem nicht die breite Abstimmung mit Naturschutz- und Windenergieexperten. Laut Forschungskoordinator der FA Wind, Dr. Dirk Sudhaus, können die Habitatmodelle genutzt werden, um Gebiete mit geringem Konfliktpotenzial zwischen Windenergienutzung und Artenschutz zu identifizieren. Das fördert Sudhaus zufolge die naturverträgliche Nutzung der Windenergie. Die Methode kann darüber hinaus auch genutzt werden, um geeignete Gebiete für Lebensraumaufwertungen als Artenschutzmaßnahme zu identifizieren, beispielsweise im Rahmen der Artenhilfsprogramme.

Ein Forschungsbericht fasst die Ergebnisse des 18-monatigen und von der DBU mit rund 200.000 Euro geförderten Projektes zusammen, in dem die Methode für den Rot- und Schwarzmilan sowie den Fischadler angewandt und getestet wurde.

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