Clever Tanken: Spritpreise auf höchstem Stand seit 2022

Gesch. Lesedauer: 6 Minuten
Allgemein
Clever-Tanken-Städteranking im März 2026: Bochum ist günstigste Super-E10-Tankstadt, Leipzig seit 16 Monaten unter den drei teuersten Diesel-Tankstädten. (Grafik: infoRoad-GmbH/Clever-Tanken)
Foto: infoRoad-GmbH/Clever-Tanken

Die Kraftstoffpreise in Deutschland sind im März 2026 deutlich gestiegen und haben laut einer aktuellen Auswertung des Verbraucherinformationsdienstes Clever Tanken, ein Service der infoRoad GmbH, Heroldsberg, das höchste Niveau seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Frühjahr 2022 erreicht. Hauptursache dafür waren stark gestiegene Rohölnotierungen infolge der Eskalation im Nahen Osten. Für Autofahrer bedeutete dies spürbar höhere Preise an den Zapfsäulen. Sollte der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran anhalten, rechnet Clever Tanken auch für April mit weiter steigenden Preisen. Eine spürbare Entlastung durch die zum 1. April eingeführte Tankpreisbremse der Bundesregierung erwartet Geschäftsführer Steffen Bock dagegen nicht.

Wie die Auswertung von Clever Tanken zeigt, lag der bundesweite Durchschnittspreis für Super E10 im März bei 2,0114 Euro pro Liter und damit rund 25,91 Cent höher als im Vormonat (1,7523 Euro). Für Autofahrende bedeutete dies im März Mehrkosten von rund 62,18 Euro für vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 gegenüber dem Vormonat. Ein höherer durchschnittlicher Literpreis wurde zuletzt im Mai 2022, in der Anfangsphase des Russland-Ukraine-Krieges, mit 2,0659 Euro je Liter erreicht. Dies war der bisher zweithöchste Wert seit Beginn der monatlichen Auswertungen von Clever Tanken im Juni 2012.

Auch Diesel verteuerte sich im März deutlich. Der bundesweite Durchschnittspreis stieg auf 2,1542 Euro je Liter und lag damit rund 43,65 Cent über dem Februarwert (1,7177 Euro). Dies ist zugleich der höchste durchschnittliche Literpreis, den Clever Tanken seit Beginn der monatlichen Auswertungen ermittelt hat. Zuletzt war Diesel im März 2022 mit einem Durchschnittspreis von 2,1441 Euro je Liter vergleichbar teuer.

Bereits vergangenen Mittwoch teilte S. Bock mit: „Was wir derzeit sehen, ist ein geopolitischer Preisschock: Steigende Rohölpreise werden schnell an den Zapfsäulen weitergegeben. Nationale politische Maßnahmen wie die heute Mittag startende Tankpreisbremse ändern daran wenig, denn sie ändern nichts an der Ursache.“

Diesel im März 14,28 Cent teurer als Benzin
Der Preisabstand zwischen Super E10 und Diesel hat sich im März deutlich gedreht. Während Benzin im Februar noch 3,46 Cent teurer war als Diesel, lag der Dieselpreis im vergangenen Monat 14,28 Cent über dem Benzinpreis – trotz des steuerlichen Vorteils von rund 20 Cent. Damit hat sich die Schere zwischen Benzin und Diesel um insgesamt 17,74 Cent zulasten von Diesel verschoben.

Der Blick auf den Rohölpreis allein greift bei der Erklärung der unterschiedlichen Kraftstoffpreise allerdings zu kurz. „Ein Grund dafür, dass der Dieselpreis deutlich stärker gestiegen ist als der Benzinpreis, liegt darin, dass Diesel und Benzin zwar beide aus Rohöl destilliert, aber auf unterschiedlichen Märkten mit unterschiedlichen Preisentwicklungen gehandelt werden. Für Diesel beziehungsweise dessen Vorprodukt Gasoil existiert ein globaler Markt, während Benzin stärker regional geprägt ist“, erklärt S. Bock.

Für Diesel ist also vor allem der internationale Markt für Gasoil entscheidend. Kommt es dort zu Angebotsengpässen – etwa durch geopolitische Konflikte oder unterbrochene Lieferketten –, wirkt sich das deutlich schneller und stärker auf den Dieselpreis aus als auf den Benzinpreis.

Denn Europa produziert mehr Benzin, als auf dem eigenen Markt benötigt wird, und exportiert deshalb einen Teil davon – beispielsweise in die USA. Beim Diesel verhält es sich umgekehrt: Hier ist die Nachfrage höher als die heimische Produktion, weshalb Diesel und sein Vorprodukt Gasoil importiert werden müssen. Ein bedeutender Teil dieser Lieferungen kam früher aus Russland. Seit Beginn des Ukrainekriegs werden sie jedoch verstärkt aus Ländern der Golfregion bezogen. Aktuell sind daher nicht nur Rohölexporte aus dem Persischen Golf beeinträchtigt, sondern auch Lieferungen von Diesel und Gasoil.

Außerdem wird Diesel nicht nur von Autofahrern genutzt, sondern in großem Umfang auch im Güterverkehr, in der Industrie sowie im Baugewerbe. Diese Nachfrage reagiert deutlich weniger auf steigende Preise als der Benzinverbrauch privater Autofahrer. Dadurch bleiben Preisspitzen bei Diesel häufig länger bestehen.

Ein zusätzlicher Faktor für steigende Dieselpreise ist der sogenannte Fuel-Switching-Effekt. Dabei wechseln Unternehmen bei hohen Gaspreisen auf andere Energieträger. Wenn Erdgas knapp oder sehr teuer wird, können viele Industrieunternehmen ihre Anlagen auf Ölprodukte umstellen. Dann wird statt Gas beispielsweise Diesel oder leichtes Heizöl eingesetzt. Dieser Fuel Switch erhöht die Nachfrage nach Diesel zusätzlich – und kann die Preise weiter nach oben treiben.

Die günstigsten und teuersten Tanktage im März
Der günstigste Tanktag für beide Kraftstoffsorten war im vergangenen Monat Sonntag, der 1. März. An diesem Tag kostete ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt rund 1,7850 Euro und ein Liter Diesel rund 1,7540 Euro.

Am höchsten lagen die Preise zum Monatsende: Am Dienstag, dem 31. März, zahlten Autofahrerinnen und Autofahrer im Schnitt 2,0960 Euro für einen Liter Super E10 und rund 2,3050 Euro für einen Liter Diesel.

Städteranking im März
Im aktuellen Preisvergleich von Clever Tanken unter den 20 größten deutschen Städten lag Bochum im März in der Kategorie der günstigsten Super-E10-Tankstädte vorn. Autofahrende zahlten dort im Monatsdurchschnitt 1,9868 Euro pro Liter. Den zweiten Platz teilten sich Bonn und Leipzig mit jeweils 1,9874 Euro. Nürnberg belegte mit 1,9876 Euro Rang drei.

Die teuerste Super-E10-Tankstadt war im vergangenen Monat zum fünften Mal in Folge Frankfurt am Main (2,0316 Euro). Auf den Plätzen zwei und drei folgten Bremen (2,0208 Euro) und Dresden (2,0202 Euro).

Vier Tankfüllungen à 60 Liter Super E10 kosteten im teuren Frankfurt am Main im Durchschnitt rund 487,58 Euro und damit etwa 10,75 Euro mehr als in der günstigsten Stadt Bochum.

Die günstigste Diesel-Tankstadt war im März erneut Bochum. Hier kostete der Liter 2,1378 Euro. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Bonn (2,1380 Euro) und Mannheim (2,1399 Euro). Damit behauptete sich Bonn zum elften Mal in Folge in dieser Kategorie.

Unter den drei teuersten Diesel-Tankstädten gab es im März keine Veränderung gegenüber dem Vormonat. Leipzig (2,1797 Euro) belegte zum dritten Mal in Folge Platz eins. Damit zählt die Sachsenmetropole seit 16 Monaten ohne Unterbrechung zu den drei teuersten Dieselstandorten unter den 20 größten Städten Deutschlands. Davon stand sie 13-mal an der Spitze. Auf den Plätzen zwei und drei folgten wie im Februar Dresden (2,1695 Euro) und Berlin (2,1660 Euro).

Gründe für die Entwicklung der Kraftstoffpreise im März
Die gestiegenen Rohölpreise waren im vergangenen Monat der zentrale Treiber für den spürbaren Preisanstieg an den Zapfsäulen. Auslöser war die militärische Eskalation zwischen den USA, Israel und dem Iran ab dem 28. Februar, in deren Folge die Ölnotierungen binnen weniger Tage deutlich anzogen. Für die in Deutschland wichtige Nordseesorte Brent wurden Ende März zeitweise Niveaus von über 112 US-Dollar je Barrel erreicht. Ein höheres Preisniveau gab es zuletzt zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Frühjahr 2022. Zum Vergleich: Mitte Dezember 2025 lag der Brent-Preis noch bei rund 59 US-Dollar je Barrel, Ende Februar 2026 waren es etwa 73 US-Dollar.

Hintergrund für diese Entwicklung war vor allem die Sorge vor erheblichen Angebotsausfällen. Denn die für den globalen Ölhandel strategisch wichtige Straße von Hormus – eine Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman, durch die rund 20 % der weltweiten Lieferungen transportiert werden – ist seit Kriegsbeginn weitgehend blockiert. Gleichzeitig kam es zu Angriffen auf die Energieinfrastruktur sowie zu Produktions- und Exportausfällen in mehreren Förderländern im Nahen Osten, in denen rund 30 % des globalen Erdöls und nahezu 20 % des Erdgases gefördert werden.

Zusätzlich verschärften logistische Engpässe und geopolitische Wechselwirkungen die Lage. Tanker stauten sich im Persischen Golf oder mussten Umwege in Kauf nehmen, während die Transport-, Versicherungs- und Finanzierungskosten deutlich stiegen. Parallel dazu belasteten Ende März auch neue Störungen im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Krieg den Markt: Drohnenangriffe auf die russische Exportinfrastruktur führten zeitweise zu erheblichen Ausfällen bei den Ausfuhren. Damit trafen mehrere Angebotsrisiken gleichzeitig aufeinander.

Zwar führten zwischenzeitliche Hoffnungen auf eine Deeskalation im Iran-Konflikt sowie politische Maßnahmen, wie etwa die Diskussion über strategische Ölreserven oder militärische Sicherungsmaßnahmen für Handelsrouten, immer wieder zu kurzfristigen Preisrückgängen. Insgesamt blieb der Ölmarkt jedoch hochgradig angespannt. Die anhaltende Unsicherheit über den weiteren Kriegsverlauf und mögliche Versorgungsstörungen führte dazu, dass sich das Preisniveau dauerhaft deutlich über dem Vorkrisenniveau stabilisierte.

Ausblick: Hohe Rohölpreise und weniger Wettbewerb durch Tankpreisbremse
„Je länger der Krieg im Nahen Osten andauert, desto teurer wird es an den Tankstellen. Daran wird auch die ad hoc eingeführte Tankpreisbremse der Bundesregierung nichts ändern. Denn für das Preisniveau sind die Rohölpreise entscheidend, und diese werden derzeit maßgeblich von geopolitischen Risiken und Angebotsängsten bestimmt“, stellt S. Bock klar.

Doch selbst mit Blick auf eine Entspannung der Rohölmärkte nach Kriegsende bleibt der Experte hinsichtlich der Tankpreisbremse skeptisch: „Selbst wenn sich die Ölpreise normalisieren, dürfte die Tankpreisbremse den Wettbewerb spürbar verändern. Wenn Preise nur noch einmal täglich erhöht werden dürfen, nimmt die Dynamik ab – und damit auch die Chance für Verbraucher, von kurzfristigen Preisrückgängen zu profitieren.“

Auch wenn bislang Erfahrungswerte in Deutschland fehlen, geht S. Bock davon aus, dass sich das günstigste Zeitfenster künftig unmittelbar vor der einzigen erlaubten Preiserhöhung ergeben dürfte – also voraussichtlich zwischen 10 und 12 Uhr – und damit in einer Phase, in der viele Menschen arbeiten.

Von gezielten Tricks der Konzerne sei dabei weniger auszugehen als von veränderten Marktmechanismen. „Wenn Preiserhöhungen nur noch einmal täglich möglich sind, steigt der Anreiz, die Preise von vornherein höher anzusetzen. Preissenkungen bleiben hingegen jederzeit erlaubt und eröffnen Spielräume für taktische Anpassungen, ohne zwingend zu günstigeren Preisen zu führen. Der Wettbewerb verlagert sich somit von dynamischen Unterbietungen hin zu scheinbar stabileren, aber tendenziell höheren Preisniveaus.“

Auch der Preisvergleich wird dadurch nicht automatisch einfacher. Zwar entfällt ein Teil der Preissprünge nach oben, doch kleinere Senkungen im Tagesverlauf sind weiterhin wahrscheinlich. Die Preisunterschiede zwischen den Tankstellen bleiben bestehen, während die Sparchancen gleichzeitig abnehmen könnten. „Für Verbraucher bedeutet das: mehr Preisstabilität auf den ersten Blick, aber nicht zwingend niedrigere Kosten. Gerade deshalb bleibt der Vergleich von Tankstellen per App, Navigationssystem oder online entlang der geplanten Route entscheidend.“

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