BearingPoint: Unsicherheit bremst Entscheidungen und entwickelt sich zum gesamtwirtschaftlichen Risiko

Gesch. Lesedauer: 4 Minuten
Digitalisierung & KI, Energie, Forschung & Entwicklung, Politik, Unternehmen
Die politische und wirtschaftliche Unsicherheit der Menschen in Deutschland hat je nach Generation unterschiedliche Schwerpunkte.
Foto: BearingPoint

Unsicherheit ist für viele Menschen in Deutschland zum ständigen Begleiter geworden, allerdings mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten zwischen den älteren und jüngeren Generationen. Eine aktuelle Umfrage der BearingPoint GmbH, Frankfurt, zeigt, wie stark diese Unterschiede Entscheidungen, Karrieren und Erwartungen an Führung prägen und wie sich dies auf die Gesamtwirtschaft auswirkt.

Politische und wirtschaftliche Unsicherheit führt dazu, dass Menschen in Deutschland Entscheidungen zunehmend vertagen. Zugleich zeigen sich deutliche Generationsunterschiede in Sorgen und Prioritäten. Eine aktuelle, repräsentative Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint macht sichtbar: Während ältere Altersgruppen vor allem Energiepreise und Versorgungssicherheit beschäftigen, verbinden jüngere Menschen Unsicherheit stärker mit digitaler Wettbewerbsfähigkeit, KI und ihrer beruflichen Zukunft.

Entscheidungen werden aufgeschoben
Die unsichere politische und wirtschaftliche Lage wirkt sich bereits konkret auf das Verhalten aus: 17 % der Befragten geben an, in den vergangenen Monaten größere Anschaffungen (zum Beispiel Auto, Haushaltsgeräte oder Elektronik) aufgeschoben zu haben. 8 % nennen vertagte Entscheidungen rund um Geldanlagen und Altersvorsorge, 6 % verschobene Schritte in der Lebensplanung. Jeweils rund 5 % betreffen aufgeschobene Jobwechsel bzw. Karriereschritte sowie Immobilienkauf oder -miete. Insgesamt gibt rund jeder dritte Befragte an, Entscheidungen aufgrund von Unsicherheit aufgeschoben zu haben. Ein Befund, der laut der BearingPoint auch gesamtwirtschaftliche Folgen hat.

„Wenn Entscheidungen systematisch aufgeschoben werden, verliert eine Volkswirtschaft an Tempo. Das ist ökonomisch relevanter als kurzfristige konjunkturelle Schwankungen“, kommentiert Iris Grewe, Regionalleiterin Central/East und globale Leiterin Consulting Ecosystem der BearingPoint. „Was im Privaten als Zögern beginnt, kann sich in der Folge gesamtwirtschaftlich zu einem Investitionsstau verdichten.“

Pessimistischer Zukunftsblick: Sorge um die nächste Generation als Standortfaktor
Auch der Blick in die Zukunft ist bei vielen Befragten deutlich pessimistisch: 19 % glauben, dass es der nächsten Generation wirtschaftlich auf jeden Fall schlechter gehen wird, weitere 38 % halten dies für wahrscheinlich. Demgegenüber erwarten nur 10 % eine wahrscheinlich bessere und 2 % eine auf jeden Fall bessere Entwicklung.

„Wenn eine Generation nicht mehr daran glaubt, dass es ihr wirtschaftlich besser gehen wird, ist das nicht nur ein subjektives Empfinden von Handlungsunfähigkeit, sondern ein reales Risiko für den Standort“, so I. Grewe.

KI wird zur Zukunftsfrage einer Generation
Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede zwischen den Generationen beim Thema künstliche Intelligenz. Während insgesamt nur ein kleiner Teil der Bevölkerung den technologischen Rückstand Deutschlands bei KI als größte Sorge nennt, liegt der Anteil bei den 18- bis 24-Jährigen mit 13 % mehr als doppelt so hoch wie bei den 45- bis 54-Jährigen (6 %) und mehr als viermal so hoch wie bei den über 55-Jährigen (3 %).

Für jüngere Generationen ist digitale Wettbewerbsfähigkeit damit kein abstraktes Zukunftsthema, sondern eng mit den eigenen Berufs- und Lebensperspektiven verknüpft. Entsprechend ausgeprägt sind auch Sorgen rund um KI und Automatisierung: 28 % der unter 25-Jährigen geben an, dass ihnen diese Entwicklungen mit Blick auf ihren aktuellen oder künftigen Arbeitsplatz besondere Sorgen bereiten – deutlich mehr als in allen anderen Altersgruppen.

Unsicherheit bremst vor allem junge Karrieren
Die Studie zeigt außerdem, dass wirtschaftliche und politische Unsicherheit insbesondere bei Berufseinsteigern konkrete Auswirkungen auf Karriereentscheidungen hat. 11 % der 18- bis 24-Jährigen und 10 % der 25- bis 34-Jährigen geben an, geplante Jobwechsel oder Karriereschritte aufgeschoben zu haben. Bei den über 55-Jährigen sind es lediglich 2 %.

Das deutet darauf hin, dass jüngere Beschäftigte den Arbeitsmarkt aktuell als deutlich instabiler wahrnehmen und Risiken stärker abwägen. Bemerkenswert ist darüber hinaus: Die jüngste Altersgruppe sorgt sich im Vergleich weniger um klassische Wohlstandsthemen wie Lebenshaltungskosten oder Konjunktur, dafür aber überdurchschnittlich stark um technologische Umbrüche und Qualifikationsanforderungen.

Führungsqualität wird zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb um Talente
Vor diesem Hintergrund gewinnt Führung eine neue strategische Bedeutung. Mehr als jeder zweite Beschäftigte unter 35 Jahren (54 %) würde den Arbeitgeber wechseln, wenn er dort bessere Führung erwarten könnte, selbst bei gleichem Gehalt. In der Altersgruppe über 55 Jahren trifft dies nur auf rund 23 % zu.

Für junge Talente sind damit Entscheidungsstärke, Transparenz und Orientierung mindestens genauso wichtig wie monetäre Anreize. Gefragt sind Führungskräfte, die auch unter Unsicherheit handlungsfähig bleiben und klare Zukunftsperspektiven aufzeigen.

„Führung ist kein Kulturthema mehr. In der Krise entscheidet sie darüber, ob Staat, Unternehmen und die Gesellschaft handlungsfähig bleiben“, erklärt I. Grewe. „Insofern ist Führung ein ökonomischer Hebel. Denn sie bestimmt, wie schnell und wie klar Organisationen unter Unsicherheit Entscheidungen treffen und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. In diesem Zusammenhang wird Unsicherheit dann zum wirtschaftlichen Faktor, wenn sie Entscheidungen verzögert. Denn Wachstum entsteht nicht aus der Vermeidung von Risiken, sondern durch bewusste und kontrollierte Risikobereitschaft.“

Energie und Geopolitik bleiben Sorgen der Älteren
Während sich jüngere Menschen stärker auf KI und Arbeitsmarktentwicklungen fokussieren, dominieren bei den über 45-Jährigen andere Unsicherheitsfaktoren. Mehr als 60 % der 45- bis 54-Jährigen und der über 55-Jährigen nennen Energieversorgung, Energieabhängigkeiten und Energiepreise als größte Sorge. Das sind deutlich mehr als in den jüngeren Altersgruppen.

Außerdem zeigen die Ergebnisse, dass Personen mit höheren Bildungsabschlüssen stärker durch geopolitische Konflikte beunruhigt sind als Menschen mit niedrigeren Abschlüssen, während höhere Einkommen und formale Qualifikation die Sorge um Energiepreise spürbar reduzieren.

Stadt, Land, Ost, West: regionale Muster, aber der größte Bruch verläuft entlang Lebensphasen und Absicherung
Neben den Generationeneffekten zeigen sich auch Unterschiede entlang des Lebensumfelds: Im ländlichen Raum sind Sorgen um Energieversorgung und Verteidigungsfähigkeit stärker ausgeprägt, während in städtischen Regionen Themen wie digitale Infrastruktur und KI häufiger als relevant genannt werden.

Auch zwischen Ost- und Westdeutschland gibt es Akzentverschiebungen: Menschen in Ostdeutschland nennen geopolitische Konflikte häufiger als Sorge (55 % vs. 50 %), während in Westdeutschland ein höherer Bedarf an Verteidigungsfähigkeit gesehen wird (31 % vs. 23 %).

In der Gesamtschau gilt jedoch: Die größten Unterschiede im Erleben von Unsicherheit verlaufen weniger entlang der Region, sondern vor allem entlang von Altersgruppen, finanzieller Absicherung sowie Lebens- und Besitzstatus.

Über die Umfrage
Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Online-Befragung der BearingPoint, die durch das Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland GmbH, Köln, durchgeführt wurde. Im Zeitraum vom 8. bis 10. April 2026 wurden insgesamt 2.096 Personen ab 18 Jahren in Deutschland befragt. Die Stichprobe wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

Über BearingPoint
BearingPoint ist eine unabhängige Management- und Technologieberatung mit europäischen Wurzeln und globaler Reichweite, die Unternehmen mithilfe moderner Technologien transformiert. Sie unterstützt Unternehmen bei der Transformation, indem sie fundiertes Branchenwissen mit starken Kompetenzen in Strategie, Geschäftsprozessen, Technologie und KI kombiniert. Die Beraterteams arbeiten dabei in unterschiedlichsten Industrien – immer nah am Kunden. Spezialisierte SAP- und Microsoft-Einheiten, ein starker Fokus auf KI sowie ergebnisorientierte Softwarelösungen ermöglichen maßgeschneiderte, innovative Lösungen für die Herausforderungen der Kunden.

Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit führenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk der BearingPoint mit mehr als 15.000 Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 70 Ländern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg.

Die BearingPoint gehört zu den TIME World‘s Best Companies und den Forbes World‘s Best Employers. Das Unternehmen ist außerdem eine zertifizierte B Corporation, die hohe soziale und ökologische Standards erfüllt.

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