Am Wochenende vom 25. September 2026 bis zum 27. September 2026 haben 139 Einsatzkräfte aus acht Ortsverbänden des THW Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, Bonn, gemeinsam mit der TAL Deutsche Transalpine Oelleitung GmbH, München, und den zuständigen Behörden den Ernstfall am Chiemsee trainiert. Ziel war es, die eingesetzte Ausrüstung, die Effektivität der Eindämmungs- und Aufnahmemaßnahmen sowie das gesamte Einsatzmanagement bei einem Ölschadensszenario zu erproben. Zwei Tage lang wurden am Mündungsdelta der Tiroler Achen die vorgesehenen Abläufe und technischen Maßnahmen zur Ölwehr auf Herz und Nieren geprüft. Die Ölwehrübung der Kategorie 2 ist von der Regierung von Oberbayern vorgeschrieben und findet alle drei Jahre statt.
Dem Übungsszenario lag ein angenommener Ölaustritt aus der Pipeline im Einzugsgebiet der Tiroler Achen zugrunde. Bei einem solchen Ereignis könnte Rohöl über den Fluss in Richtung Chiemsee gelangen. Die Einsatzkräfte trainierten deshalb das Zusammenspiel der verschiedenen Schutzmaßnahmen – vom Einbringen der Ölsperren über die Aufnahme eines Öl-Wasser-Gemischs bis zu dessen Separation in der Hirschauer Bucht. Dort kann die SepCon-Anlage des THW bis zu 40 cbm Öl-Wasser-Gemisch pro Stunde rein physikalisch in Öl und Wasser trennen.
Niedrigwasser als Herausforderung
Eine zusätzliche Herausforderung stellte in diesem Jahr der niedrige Wasserstand des Chiemsees dar. Vor allem beim Einziehen der rund 2 km langen Schlauchleitung war das von der TAL bereitgestellte Amphibienfahrzeug Truxor unverzichtbar. Es ermöglicht den Transport und das Einbringen des Equipments auch in sehr flachen Uferbereichen. Da das Mündungsdelta der Tiroler Achen in einem sensiblen Naturschutzgebiet liegt, werden sämtliche Maßnahmen möglichst schonend und in enger Abstimmung mit dem Bund Naturschutz geplant und durchgeführt.
„Die Bedingungen am Chiemsee verändern sich, wie das Niedrigwasser und die zunehmende Verlandung zeigen – darauf müssen wir uns technisch und organisatorisch einstellen. Solche Übungen sind deshalb unverzichtbar, weil wir damit nicht nur bestehende Abläufe überprüfen, sondern auch neue Helfer praxisnah ausbilden können. Entscheidend ist, dass die Einsatzkräfte auch unter anspruchsvollen Bedingungen sicher zusammenarbeiten und jeder Handgriff sitzt“, erklärt Fabian Kühn von der THW-Regionalstelle Mühldorf.
Eingespielte Abläufe
Regelmäßige Übungen sowie die kontinuierliche Überprüfung von Material, Technik und Abläufen sind wesentliche Bestandteile des Sicherheitskonzepts der TAL. Die Ölwehr am Chiemsee hat dabei eine lange Tradition: Bereits 1969 fand die erste Übung statt – damals noch mit Unterstützung der Bundeswehr und mit Holzsperren. Heutzutage gehören unter anderem Pontons – schwimmende Arbeitsplattformen – mit Skimmern, leistungsfähige Pumptechnik und die SepCon-Anlage des THW zum Ölwehrkonzept.
„Der sichere Betrieb unserer Infrastruktur und der Schutz der Umwelt haben für die TAL höchste Priorität. Die Übung zeigt, wie wichtig eingespielte Abläufe, moderne Technik und vor allem die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten sind. Gerade die besonderen Bedingungen durch das Niedrigwasser zeigen, dass wir unsere Konzepte kontinuierlich überprüfen und an veränderte Rahmenbedingungen anpassen müssen. Mein großer Dank gilt den zuständigen Behörden, den Einsatzkräften und allen Partnern, die diese Übung möglich gemacht haben“, erklärt Alessandro Gorla, General Manager der TAL.





