Die aktuellen Vierteljahresergebnisse sind ein deutliches Warnsignal: Die größten internationalen Ölkonzerne haben zusammengenommen ihre Gewinne vom ersten auf das zweite Quartal 2026 nahezu verdoppelt. Während Millionen Autofahrer die steigenden Kraftstoffkosten unmittelbar im Geldbeutel spüren, profitieren die Mineralölkonzerne von außergewöhnlich hohen Margen. Für den AvD Automobilclub von Deutschland e. V., Frankfurt, unterstreichen diese Entwicklungen die Notwendigkeit, den Kraftstoffmarkt endlich konsequent verbraucherorientiert auszugestalten.
Nach eigenen Angaben stiegen die Quartalsgewinne der Ölkonzerne teilweise um ein Mehrfaches. Die Saudi Aramco, Dhahran, steigerte ihren Gewinn um 44 % auf rund 29 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die BP p.l.c., London, (rund 5 Mrd. Euro) und die ExxonMobil Corporation, Houston, (rund 12,6 Mrd. Euro) erhöhten nach unlängst veröffentlichten eigenen Angaben ihre Ergebnisse um mehr als das Doppelte zum ersten Quartal 2026. Die Shell p.l.c., London, verdreifachte im gleichen Zeitraum ihren Gewinn auf rund 9,4 Mrd. Euro und die Chevron Corporation, San Ramon, um das Fünffache auf über 10,5 Mrd. Euro. In diesem Zusammenhang setzt sich der AvD bereits seit Jahren für eine faire Preisgestaltung, mehr Transparenz und wirksame politische Maßnahmen gegen ungerechtfertigte Belastungen der Autofahrer ein.
Bezahlbare Mobilität
Vor allem Berufspendler, Familien und Menschen im ländlichen Raum sind auf das Auto angewiesen und können die hohen finanziellen Belastungen kaum mehr stemmen. Der AvD hat deshalb wiederholt deutlich gemacht, dass klimafreundliche Mobilität und die Entlastung der Autofahrer keine Gegensätze sein dürfen. Die individuelle Mobilität ist ein wesentlicher Bestandteil der Lebensrealität. Deshalb setzt sich der AvD dafür ein, dass sie bezahlbar bleibt.
Für faire Spritpreise
Vor diesem Hintergrund richtet der AvD einen klaren Appell an den künftigen Verkehrsminister Steffen Bilger, gemeinsam mit der Bundesregierung die Rahmenbedingungen auf dem Kraftstoffmarkt zu verbessern. Entscheidend ist eine deutlich höhere Markttransparenz, damit Preisentwicklungen für Verbraucher nachvollziehbar werden und mögliche Wettbewerbsverzerrungen schneller erkannt werden können. Neben der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe soll das Bundeskartellamt mit der anstehenden Novellierung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) erweiterte Kompetenzen erhalten, um Preisbewegungen zu erfassen und zu analysieren. Diese Erkenntnisse über den Kraftstoffhandel sollten konsequenter genutzt werden, um auffällige Marktentwicklungen frühzeitig zu überprüfen und gegebenenfalls regulatorisch einzugreifen.
Übergewinn-Rückführung
Darüber hinaus hält der AvD die Einführung einer Übergewinnsteuer für außergewöhnliche Krisengewinne im Mineralölsektor für ein geeignetes Instrument, um Verbraucher besser zu schützen. Eine solche Regelung könnte gleich in zweifacher Hinsicht wirken: Zum einen würde sie den Anreiz verringern, in Krisenzeiten überproportionale Preissteigerungen vorzunehmen. Falls es dennoch zu einer deutlichen Erhöhung käme und diese nicht mit einem Anstieg von Großhandelspreisen, Transport- und Beschaffungskosten begründet werden kann, dann könnten diese außergewöhnlichen Zusatzgewinne zumindest teilweise abgeschöpft werden. Die Einnahmen aus einer solchen Steuer würden dem Staat zufließen und könnten gezielt für Maßnahmen zur Entlastung der Bürger oder für Investitionen in eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur eingesetzt werden. Wer von außergewöhnlichen Marktverwerfungen in Milliardenhöhe profitiert, sollte auch einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwohls leisten.
Der AvD wird sich auch künftig konsequent für die Interessen der Autofahrer einsetzen und politische Maßnahmen unterstützen, die Wettbewerb stärken, Transparenz erhöhen und ungerechtfertigte Preisbelastungen verhindern. Bezahlbare Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe sowie wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und darf nicht zum Spielball überhöhter Gewinninteressen werden.
AvD-Präsident Lutz Leif Linden erklärt: „Die aktuellen Gewinnzahlen der Ölkonzerne zeigen, dass Handlungsbedarf besteht. Die Bundesregierung muss für faire Wettbewerbsbedingungen, transparente Kraftstoffpreise und einen wirksamen Schutz der Verbraucher sorgen. Übergewinne dürfen nicht auf Kosten der Autofahrer entstehen. Der Zeitpunkt ist längst gekommen, um entschlossen zu handeln!“





